Britta Kuhn
Elias Naurozis Bachelor-Thesis identifiziert mögliche Lieferanten jenseits Chinas für Seltene Erden, Lithium und weitere Metalle[1]
Deutschland hängt an Chinas Rohstoff-Tropf. Welche Länder könnten Alternativen bieten und damit ein Derisking begünstigen?
Damokles-Schwert Taiwan-Invasion[2]
Die Volksrepublik China ist mit großem Abstand Deutschlands wichtigster Lieferant von Seltenerdmetallen. Sie sind für die Energiewende elementar. Auch chinesisches Lithium, Aluminium, Gallium und Germanium spielt hierzulande eine enorme Rolle. Eine Eskalation des Taiwan-Konflikts könnte hier zu einem Lieferstopp führen. Dessen Folgen wären viel dramatischer als das plötzliche Decoupling von Russland nach der Ukraine-Invasion. Die Bundesregierung strebt daher mit ihrer China-Strategie von 2023 ein Derisking an. Unter anderem sollen strategisch relevante Rohstoffe zunehmend von anderen Lieferanten stammen – idealerweise von Wertepartnern.
Alternativen für Seltene Erden, Lithium und weitere Metalle[3]
Seltenerdmetalle könnte Deutschland künftig verstärkt aus Vietnam, Schweden und Brasilien beziehen. Die Thesis vertieft Chancen und Herausforderungen, die sich jeweils ergeben. Vietnam verfügt beispielsweise über enorme Reserven, erschließt bereits neun Minen, plant weitere Raffinerieanlagen und ist seit 2020 ein Freihandelspartner der Europäischen Union. Allerdings fehlen der sozialistischen Republik noch Investitionen sowie umfassende F&E-Strategien. Auch die geografische und soziokulturelle Entfernung von Deutschland ist groß. Hier liegen die großen Vorteile Schwedens. In Kiruna bzw. Lappland stößt ein kurzfristiger Abbau jedoch an technologische, bürokratische, ökologische und soziale Grenzen.
Bei Lithium empfiehlt die Abschlussarbeit mehr Lieferungen aus Australien und Chile. Australiens großen Vorteil stellt sein geringes geopolitisches Risiko dar. Nachteile ergeben sich aus seiner ökonomischen Abhängigkeit von China und dem immer noch fehlenden Freihandelsabkommen mit der EU. Für Chile spricht neben enormen Vorkommen vor allem die Rohstoffpartnerschaft mit der EU. Dagegen stehen erhebliche ökologische und soziale Probleme mit Blick auf die lokale Bevölkerung.
Als alternativen Aluminium-Lieferanten thematisiert die Thesis Guinea. Für dieses Land sprechen allerdings fast nur die hohen Bauxit-Vorkommen, dagegen Umweltschäden, Menschenrechtsverletzungen und die institutionelle Fragilität des afrikanischen Landes. Substitute für Gallium und Germanium verortet der Verfasser in Kanada, Japan, den USA und der Slowakei. Das sind alles Wertepartner. Hier sieht die Arbeit auch erhebliches Recycling-Potenzial.
Fazit Kuhn
Eine Diversifizierung der deutschen Rohstoffeinfuhren stellt nur einen, aber wichtigen Baustein eines Deriskings von China dar. Seit Russlands „Weckruf“ vom Frühjahr 2022 haben Bundesregierung und EU-Kommission hier viel in die Wege geleitet. Kompromissbereiter könnten sie sich insbesondere gegenüber befreundeten Ländern wie Australien und den USA zeigen, um zügiger zu Freihandels- bzw. Rohstoffpartnerschaften zu gelangen. Es sollte keine weitere Zeit verloren gehen, um im Fall eines chinesischen Taiwan-Überfalls eine schwerwiegende Rezession abfedern zu können.
Quellen:
[1] Elias Naurozi, „Welche Länder könnten China als Deutschlands Rohstofflieferanten zunehmend ersetzen?“, Bachelor Thesis, Wiesbaden Business School der Hochschule RheinMain, 27.03.2024.
[2] Im Detail: Elias Naurozi, a.a.O., Kapitel 2, S. 2 ff.; zur Deutschen China-Strategie vgl. im Detail: Die Bundesregierung, China-Strategie der Bundesregierung, Stand 2023, Berlin 2023.
[3] Im Detail: Elias Naurozi, a.a.O., Kapitel 3, S. 8 ff.