Freihandel zwischen Indien und EU?

Britta Kuhn

Enrique Ruben Rodriguez Perez‘ Bachelor-Thesis analysiert die Aussichten eines Abkommens[1]

Indien wird für die EU geopolitisch und ökonomisch immer wichtiger. Gelingt bald ein bilaterales Freihandelsabkommen (FTA)? Welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich dabei?

Ausgangssituation[2]

Bereits zwischen 2007 und 2013 verhandelten Indien und die EU über ein FTA für Waren, Dienstleistungen und Investitionen. Es scheiterte an seinem ehrgeizigen Umfang. 2022 starteten die Gespräche erneut, allerdings getrennt nach Güterverkehr und Investitionsschutz. Die Thesis konzentriert sich zunächst auf den bilateralen Handel mit Waren und Dienstleistungen. Sie verdeutlicht, wie wichtig er bereits ist und welche weiteren Potenziale für beide Partner in ihm schlummern. Dabei vertieft sie die Warenströme nach Branchen, was zu wesentlichen Motiven eines Abkommens führt. Indien ist z.B. außenwirtschaftlich relativ isoliert: Um wirtschaftlich nicht zu abhängig vom politischen Gegner China zu werden, verzichtet der Subkontinent weitgehend darauf, sich in asiatische Lieferketten zu integrieren. Daneben leidet die indische Wirtschaft darunter, dass Handel in Länder wie Vietnam umgelenkt wird, die bereits ein FTA mit der Europäischen Union unterhalten. Die EU hängt ihrerseits hochgradig vom Außenhandel ab und möchte ihr China-Risko durch Diversifizierung senken. Indien bietet dafür beste Möglichkeiten, da seine Wachstumsaussichten hoch sind und der Markt angesichts einer großen und jungen Bevölkerung schon heute die wichtigste Alternative zur Volksrepublik darstellt.

Chancen und Herausforderungen eines FTA[3]

Die Thesis quantifiziert geschätzte Wachstumsimpulse eines Freihandelsabkommens für wichtige Industriezweige. In der EU würde v.a. die Ausfuhr von Maschinen und chemischen Erzeugnissen steigen. Daneben könnte ihr Agrar- und Automobilsektor mehr exportieren. Indien wäre umgekehrt in der Lage, insbesondere viel mehr Textilien und Stahl an die EU zu liefern. Als problematisch könnten sich jedoch erstens unterschiedliche Erwartungen an das FTA erweisen: Indien wünscht schnelle Ergebnisse und konzentriert sich daher auf Branchen, die sich leicht liberalisieren lassen. Die EU verfolgt dagegen (immer noch) umfangreiche Ziele, darunter ehrgeizige Klimaschutzregeln. Diese Strategie sieht Indien wegen seiner kolonialen Vergangenheit überaus kritisch und vermutet darin Wettbewerbsnachteile. Zweitens drohen Interessenkonflikte in einzelnen Branchen wie der Auto- oder Agrarindustrie. Indien will z.B. selbst zum globalen Autoanbieter aufsteigen und befürchtet, dass subventionierte EU-Agrarprodukte die wirtschaftlich und sozial wichtigen indischen Kleinbauern bedrohen. Schließlich plant die EU umfangreiche sanitäre Standards, die Menschen, Tiere und Pflanzen schützen sollen. Auch darin sieht Indien nicht-tarifäre Handelshemmnisse.

Fazit[4]

Insgesamt sieht der Verfasser enorme Chancen eines FTAs für Indien und die EU. Er befürchtet aber, dass die Verhandlungen erneut an tiefgreifenden Differenzen und zu weitreichenden Zielen scheitern.


Quellen:

[1] Enrique Ruben Rodriguez Perez, „Indien und die EU: Chancen und Herausforderungen eines möglichen Freihandelsabkommens“, Bachelor Thesis, Wiesbaden Business School der Hochschule RheinMain, 31.03.2025.

[2] Im Detail: Enrique Ruben Rodriguez Perez, a.a.O., Kap. 1-3, S. 1 ff.

[3] Im Detail: Enrique Ruben Rodriguez Perez, a.a.O., Kap. 4, S. 11 ff. (Chancen) bzw. Kap. 5, S. 15 ff. (Herausforderungen).

[4] Im Detail: Enrique Ruben Rodriguez Perez, a.a.O., Kap. 6, S. 19 f.

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