Neues vom E-Yuan 2: mBridge für die Welt?

Britta Kuhn

mBridge ist ein Blockchain-basiertes Zahlungsverkehrssystem für digitales Zentralbankgeld (CBDC). China führt es an. In der Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen ZfgK erläutere ich ausführlich die Vorteile des Systems gegenüber SWIFT und ob es auf die BRICS+ Länder ausgedehnt werden könnte.[1]

Internationalisierung via Hongkong und mBridge[2]

Bei grenzüberschreitenden CBDC-Tests kooperiert Chinas Zentralbank vor allem mit Hongkong. Smart Contract-Funktionen zielen daneben generell auf ausländische Touristen in China. Eine besonders große Rolle spielt der e-CNY speziell im russisch-chinesischen Handel. Eine wichtiges Internationalisierungsvehikel scheint schließlich mBridge zu sein. 2021 rief die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) dieses „Multiple Central Bank Digital Currency Bridge Projekt“ ins Leben. Zunächst nahmen die Zentralbanken Chinas, der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Thailands und Hongkongs daran teil. Seit Juni 2024 ist Saudi-Arabien mit von der Partie. mBridge transferiert digitales Zentralbankgeld verschiedener Länder per Blockchain schnell und billig. Seine technische Infrastruktur wurde bereits vielfältig getestet und scheint SWIFT deutlich überlegen zu sein. Es soll vor allem der Außenhandelsfinanzierung dienen.

mBridge-Vorteile für China[3]

Die chinesische Zentralbank könnte mit mBridge jede grenzüberschreitende Transaktion bei Bedarf individuell zuordnen. Daneben dürften sich auf der Plattform langfristig Chinas Regulierungs- und Compliance-Standards durchsetzen. Wie im Legospiel könnte die Volksrepublik schrittweise eine Finanzarchitektur Basis des digitalen Renminbis entwickeln, die auch den Devisenhandel, Kapitalverkehr und sämtliche Anti-Geldwäsche und -Terrorfinanzierungsmaßnahmen enthielte. mBridge ist aber auch für Zentralbanken in Ländern mit schwachem Banken- und Finanzsystem attraktiv, die wirtschaftlich stark von China abhängen und intensiv dessen Smartphones bzw. Telekommunikationskomponenten nutzen. Dies trifft auf viele Partner der Belt and Road-Initiative (BRI) zu. Weltweit liegen mehr als 40 Länder an Chinas digitaler Seidenstraße, d.h. innerhalb der chinesischen technischen Sphäre. Bis 2030 könnten potenziell 20-30% des chinesischen Außenhandels über e-CNY laufen. Schon heute werden wichtige BRI-Projekte per E-Yuan abgewickelt. Für den afrikanischen Kontinent wäre er ebenfalls interessant, etwa im innerafrikanischen Warenverkehr, bei Rücküberweisungen von Wanderarbeitskräften oder sogar als Massenzahlungssystem.

Saudi-Arabiens mBridge-Beitritt stellte aus chinesischer Sicht einen Meilenstein dar. Denn die Zahlungsplattform könnte dazu beitragen, dessen Öllieferungen künftig ohne US-Dollar abzuwickeln. Bei einem Gipfeltreffen im Oktober 2024 besprachen außerdem die BRICS-Länder eine „BRICS Bridge payments platform modelled on mBridge . Sie hätte das Potenzial, Finanzsanktionen insbesondere gegen den Iran und Russland zu umgehen.

mBride-Expansion auf BRICS+?[4]

Transaktionen zwischen den BRICS-Ländern ließen sich dann per Blockchain in Mitgliedswährungen inklusive deren CBDC bezahlen (BRICS Pay) und auf einer zentralen Plattform abwickeln (BRICS Bridge). Westliche Korrespondenzbanken und damit SWIFT-Sanktionen würden umgangen. Zu den BRICS-Mitgliedern gehören neben Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika inzwischen Ägypten, Äthiopien, Indonesien, der Iran und die VAE. Zusammen mit Chinas weiterem potenziellen CBDC-Netzwerk repräsentieren die BRICS+ Länder geschätzt 35% der weltweiten Wertschöpfung. Der e-CNY könnte damit allein die Auswirkungen der aktuellen US-Sanktionen um 30% senken.

Fazit[5]

Mit mBridge könnte China sein digitales Zentralbankgeld in viele Partnerländer der BRICS+ und der Belt and Road-Initiative exportieren. Das Blockchain-basierte Zahlungsverkehrssystem ist mit der traditionellen globalen Finanzarchitektur vereinbar, aber technisch schneller und billiger. Es könnte im Krisenfall zu einer echten Alternative hochfahren und betroffene Länder vor westlichen Sanktionen schützen. Für dieses Szenario entwickelt China viele weitere Renminbi-zentrierte Bausteine, neigt aber keineswegs zu Schnellschüssen.


Quellen:

[1] Britta Kuhn, Neues vom E-Yuan: In China mäßig erfolgreich – weltweit auf dem Vormarsch. Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen Jg. 78, Heft 22 vom 17.11.2025, S. 996-1001.

[2] Details und Literaturhinweise bei Britta Kuhn, a.a.O., S. 999.

[3] Details und Literaturhinweise bei Britta Kuhn, a.a.O., S. 999 f.

[4] Details und Literaturhinweise bei Britta Kuhn, a.a.O., S. 1000 f.

[5] Details und Literaturhinweise bei Britta Kuhn, a.a.O., 1001.

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