Britta Kuhn
Trotz Drei-Kinder-Politik sinkt Chinas Geburtenrate weiter. Tianmen bietet großzügige Anreize, sich fortzupflanzen. Ein übertragbares Erfolgsmodell?[1]
Ein Kind pro Frau, Tendenz sinkend
Chinas Ein-Kind-Politik ist schon seit 2016 passé. Seit 2021 dürfen und sollen heterosexuelle chinesische Ehepaare sogar drei Kinder bekommen. [2] Dennoch sank die Fertilitätsrate in den letzten Jahren auf zuletzt 1 Kind pro Frau. Sie liegt damit weltweit am unteren Rand. Gemäß UN-Projektion könnte sich die chinesische Bevölkerung bis zum Jahrhundertende halbieren – ein Problem für Chinas Großmachtpläne, seine wirtschaftliche Entwicklung und das soziale Gefüge.
Subventionen in Tianmen
Tianmen, eine Stadt in der zentralchinesischen Provinz Hubei und westlich von Wuhan gelegen, steuert mit besonders viel Geld gegen diesen Trend: Seit Ende 2023 gibt es pro Eheschließung 60.000 Yuan, für Zuwanderer vom Land das Doppelte. Das zweite Kind bringt einmalig bis zu 287.188 Yuan, das dritte bis zu 355.988 Yuan, typischerweise in Form einer Wohnsubvention. Seit 2025 kommt ein jährlicher Baby-Bonus von 3.600 Yuan bis zum dritten Geburtstag des Kindes dazu. Zum Vergleich: Das jährliche Durchschnittseinkommen in Hubei liegt bei 40.000 Yuan pro Bewohner, rund 5.000 Euro. Weitere Boni umfassen Mutterschutz-Zahlungen und monatliche Kinderbetreuungszulagen. Daneben weitet die Stadt ihr kostenfreies Betreuungsangebot für Kinder ab zwei Jahren aus, bietet Serviceleistungen wie Paarvermittlungsangebote und bemüht sich allgemein um ein familienfreundliches Image.
Vorbild für ganz China?
Tianmens Politik erreicht landesweite Aufmerksamkeit: 2024 stieg die Zahl der dortigen Neugeborenen um 17% gegenüber 6% im nationalen Durschnitt, die sich v.a. mit den Nachwehen der Covid-Pandemie erklären. Allerdings zogen offenbar gebärwillige Eltern extra nach Tianmen, um in den Genuss der dortigen Beihilfen zu kommen, die zunächst nur für Geburten vor Mai 2027 gelten. Auch erleichtern die Subventionen lediglich die ersten Jahre. Das Teure an Kindern sind jedoch v.a. Chinas hohe Ausbildungskosten. Sie liegen rund 50% über denjenigen der nicht gerade billigen USA. Dazu kommen das höchst kompetitive Bildungssystem und deutliche berufliche Nachteile für Mütter.
Bisher schreckt die Regierung vor drastischen Maßnahmen zurück. Zwar versucht sie, Abtreibungen ohne medizinische Indikation zu verringern oder junge Frauen zur Empfängnis anzustupsen. Einige Städte schicken ihnen z.B. Fragebögen zu ihren Fortpflanzungsplänen oder lassen sie von KI-Robotern anrufen. Der Economist hält es jedoch für schwieriger, Menschen zur Reproduktion zu bewegen, als diese – wie in Chinas Vergangenheit – zu unterbinden.
Quellen:
[1] Vgl., soweit nicht anders angegeben: The Economist vom 12.11.2025, Tianmen is China’s test site for baby-boosting policies, https://www.economist.com/china/2025/11/12/tianmen-is-chinas-test-site-for-baby-boosting-policies
[2] Vgl. auf diesem Blog: Chinas demografische Zeitbombe, 6.1.2023, https://besser-wachsen.com/2023/01/06/chinas-demographische-zeitbombe/