Britta Kuhn
Die Bundesbank analysiert die Ursachen des deutschen Ausfuhrrückgangs im Detail. Sie liegen primär in angebotsseitigen internen Problemen der deutschen Volkswirtschaft.[1]
Deutschlands Exportanteile sinken
Die deutschen Weltmarktanteile bei Warenexporten gehen seit 2017 zurück – also schon vor Corona- und Energiekrise. Sie entwickelten sich dabei deutlich schwächer als die Auslandsnachfrage.[2] Hinlänglich bekannt ist, dass deutsche Export-Flaggschiffe wie die Autoindustrie Marktanteile an China verlor – vor allem ab 2019. Die Bundesbank zerlegt und quantifiziert diese Effekte allerdings ausführlich. Sie zeigt, dass Arbeitskräftemangel, steigende Lohnstückkosten, Bürokratie und Steuern die deutsche Wettbewerbsfähigkeit seither stärker belasten als den Euroraum insgesamt. Daneben verdeutlicht sie, dass energieintensive Produkte, elektronische und optische Geräte besonders rückläufig ausgeführt wurden.[3]
Die Ursachen zerlegt die Bundesbank in vier Effekte
Gemäß Produkt-Nachfrageeffekt litt erstens die weltweite Nachfrage nach wichtigen deutschen Exportgütern wie z.B. Verbrenner-Autos. Ein negativer Partner-Nachfrageeffekt lag zweitens darin, dass wichtige deutsche Zielmärkte wegen konjunktureller Flaute weniger importierten. Der Produkt-Angebotseffekt besagt drittens, dass sich die deutschen Produktionskosten schlechter entwickelten als bei der Konkurrenz oder diese technisch aufholte. Laut Partner-Angebotseffekt stiegen viertens die deutschen Handelskosten im Vergleich zu Drittanbieter – z.B. im Vereinigten Königreich in Folge des Brexits.[4]
Schuld sind weniger die anderen, sondern vor allem wir!
Die Bundesbank führt rund drei Viertel der deutschen Marktanteilsrückgänge seit 2017 auf angebotsseitige Probleme zurück, seit 2021 sogar noch mehr. Dabei dominierte deutlich der Produkt- Angebotseffekt den Partner-Angebotseffekt. Maßgeblich senkten nämlich Lieferkettenprobleme und deutlich höhere Energiepreise Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit. Lieferkettenprobleme fielen z.B. im Maschinenbau und der Elektroindustrie stark ins Gewicht, höhere Energiekosten z.B. in der Chemie und Metallindustrie.[5]
Fazit
Die Bundesbank fordert die üblichen angebotsseitigen Strukturreformen wie höhere Arbeitsanreize, erleichterte Fachkräftezuwanderung, Bürokratieabbau, Steueranreize für private Investitionen, Startups und F&E, grundlegende Reformen der Sozialversicherungssysteme, eine effizientere Energiewende und erleichterte Freihandelsabkommen.[6] Leider tut sich Deutschland (und im Falle der Freihandelsabkommen die dafür zuständige EU) mit der Umsetzung dieser Reformen äußerst schwer. Der Leidensdruck einer (wahlberechtigten!) Bevölkerungsmehrheit scheint also noch nicht groß genug.
Quellen:
[1] Deutsche Bundesbank, „Was steckt hinter dem mehrjährigen Rückgang der deutschen Exportmarktanteile?“, in: Monatsbericht Juli 2025, 77(7), S. 20-55.
[2] Vgl. Deutsche Bundesbank, a.a.O., S. 22, v.a. Schaubild 2.1.
[3] Vgl. Deutsche Bundesbank, a.a.O., S. 26 ff., v.a. Schaubild 2.4 rechts (S. 26), Schaubild 2.5 (S. 27) und Schaubild 2.6 (S. 29).
[4] Vgl. Deutsche Bundesbank a.a.O., S. 31 f.
[5] Vgl. Deutsche Bundesbank a.a.O., S. 38 f., v.a. Schaubild 2.7 (S. 39), und S. 42 f., v.a. Schaubild 2.9 (S. 43).
[6] Vgl. Deutsche Bundesbank a.a.O., S. 53.