Chinas Plan für 2026 bis 2030

Britta Kuhn

Unabhängigkeit und Technologieführerschaft bleiben Xi Jinpings Langfristziele. Das Handelsblatt beleuchten Chinas 15. Fünfjahresplan 2026-2030.[1]

Wesentliche Ziele

Wie in den letzten beiden Fünfjahresplänen geht es um technologische Innovation und Autonomie. Beides sind Schlüsselbegriffe. Gusbeth und Benninghoff berufen sich zum einen auf ein umfangreiches Strategiepapier der federführenden Nationale Entwicklungs- und Reformkommission NDRC. Zum anderen zitieren sie deren Direktor. Er will statt Masse (noch mehr) Klasse erreichen. Deshalb sollen die Forschungs- und Entwicklungsausgaben jährlich um mindestens sieben Prozent steigen. Als sechs künftige Schlüsselbranchen benennt er Chips, Raumfahrt, Biomedizin, den niedrigen Flugraum, neue Batterie-Technologien und intelligente (KI-)Roboter. Im Weltall soll z.B. eine Art chinesischer Großrechner aus vernetzten Satelliten entstehen. Expresslieferungen mit Drohen, Flugtaxis, Rettungsdienste und Überwachungsdrohnen sollen den Luftraum unterhalb eines Kilometers erschließen. Großspeicher sollen Strom aus erneuerbaren Energien konservieren.

Sechs weitere Zukunftsbranchen sieht die NDRC in Quantentechnologie, Bio-Manufacturing, Grünem Wasserstoff, Kernfusion, Brain-Computer-Interface und 6G. Bei biologischen Medikamenten (z.B. mRNA-Impfstoffe) soll z.B. die Forschung und Produktion derart verzahnt werden, dass die Volksrepublik dem Weltmarkt wettbewerbsfähige Blockbuster bieten kann. An der Schnittstelle zwischen menschlichem Gehirn einerseits sowie Hard- und Software andererseits soll der Rückstand zur US-Forschung sinken. In der sechsten Mobilfunkgeneration sind erste Versuche abgeschlossen. Schließlich plant der Fünfjahresplan, aus der Volksbefreiungsarmee bis 2049 eine Armee von Weltklasse zu machen. Dazu dient auch eine (noch) engere Zusammenarbeit zwischen ziviler und militärischer Forschung.

Unterschied zu Xis bisherigen Plänen

Künstliche Intelligenz spielt in allen Bereichen eine zentrale Rolle. Die Initiative „AI Plus“ will sie bis 2030 in 90 Prozent der Wirtschaft integrieren. Zweitens geht viel um Geopolitik. Auf der Welt herrsche Unordnung und Chaos – das Gegenteil vom chinesischen Regierungsstreben nach Stabilität und Kontrolle. Der Konflikt mit den USA ist offensichtlicher und die Vereinigung mit Taiwan gilt nun als unaufhaltbar – der Ton hat sich verschärft. Viertens erscheint Energiesicherheit noch wichtiger als zuvor. Sie soll unter anderem durch strategische Reserven und einen höheren Anteil nichtfossiler Quellen entstehen. Angesichts Chinas rückläufiger Wachstumsraten will der Staat fünftens (noch) mehr in die Infrastruktur investieren. Großprojekte sollen auch der schwächelnden Bauchindustrie helfen.

Kritische Beurteilung

Der Irankrieg dürfte Chinas Streben nach Unabhängigkeit und Technologieführerschaft weiter stärken. Chinas Immobilienkrise erhält im Plan wenig Raum. Dabei lähmt vor allem sie den privaten Konsum und trägt zur aktuellen Jungendarbeitslosigkeit von 16,5 Prozent bei. Langfristig bleibt das Problem der alternden Bevölkerung und damit schwindender Produktivkräfte weitgehend ungelöst. Eine Vorreiterrolle bei humanoiden Robotern könnten Chinas Arbeitskräftemangel allerdings langfristig kompensieren. Das Handelsblatt nennt weitere Kritikpunkte. Beispielsweise sei die Chipindustrie klein, fragmentiert und schwach, zitiert sie einen chinesischen (!) Branchenvertreter. Schließlich soll der technologische Fortschritt, wie alles in China, geordnet und kontrolliert verlaufen. Weiterhin also wenig Platz für verrückte Genies oder Disruption.


Quelle:

[1] Soweit nicht anders angegeben: Sabine Gusbeth und Martin Benninghoff, Xi Jinping. Führerschaft durch Stärke. Handelsblatt Nr. 50 vom 12.3.2026, S. 16 f.

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