Schafft der EU-Aktionsplan ein China-Derisking bei kritischen Rohstoffen?

Britta Kuhn

Die EU will sich mit RESourceEU schnell von kritischen Rohstoffen aus China lösen. Was der Aktionsplan leistet und was ihm fehlt, erläutere ich im Wirtschaftsdienst.[1]





Ursachen des EU-Aktionismus

Erst kürzlich berichtete dieser Blog, dass ein verschärftes Liefer-Embargo Chinas in Deutschland für gravierende Engpässe hinsichtlich kritischer Rohstoffe und Folgeprodukten wie z.B. Chips führte.[2] Angesichts der ausführlichen Medienberichterstattung musste die EU-Kommission handeln. Also veröffentlichte sie im Dezember 2025 einen Aktionsplan, mit dem die EU-Wirtschaft bereits 2026 deutlich unabhängiger werden solle als mit allen bisherigen Maßnahmen.[3]

Fünf Ziele mit unterschiedlichem Nutzen[4]

Der Aktionsplan namens RESourceEU verfolgt im Wesentlichen fünf Ziele: 1. Gesicherte Bevorratung, 2. besser geförderte Rohstoffprojekte, 3. mehr Recycling, 4. Schutz vor Marktversagen und Wettbewerbsverzerrungen sowie 5. Partnerschaften mit Drittländern. Ziel 1 soll insbesondere ein neues EU-Zentrum erreichen, das Rohstoffe priorisiert einkauft und zahlreiche Aktivitäten koordiniert. Das wirkt zunächst sinnvoll, zumal die EU-Kommission dabei auch 14 Subventionstöpfe zusammenfassen will. Allerdings bleibt die beabsichtigte Konsolidierung im Detail ebenso undurchsichtig wie der Mehrwert einer weiteren EU-Koordinierungsstelle. Ziel 2 möchte strategische Rohstoffprojekte der EU-Mitglieder stärker und schneller fördern. Auch hier geht es um mehr Finanzhilfen, daneben um Entbürokratisierung. Der Wirtschaftsdienst-Artikel vertieft, warum beides schwierig erscheint. Denn auch hier bleibt es bei vielen und intransparenten europäischen Geldquellen bzw. Stabsstellen. Ziel 3 dient der Wiederverwertung kritischer Rohstoffe, daneben ihrer Substitution durch Innovationen. Die konkreten Maßnahmen wirken insgesamt zielführend, da die Recycling-Quoten der EU bisher sehr niedrig sind. Im Einzelnen dürften die Neuerungen jedoch mal mehr helfen (z.B. Forschungssubventionen für innovative Prozesse), mal weniger (wie z.B. will die EU durchsetzen, dass Schwarzmasse[5] künftig nur noch in OECD-Länder ausgeführt wird?). Für Ziel 4 plant RESourceEU unter anderem eine EU-Plattform, mit der Angebot und Nachfrage effizienter zueinander finden. Neben diesem effektiven Schritt gibt es weitere Anreize und Pflichten für Unternehmen, ihre Rohstoffbeschaffung zu diversifizieren. Ob das inbound FDI-Screening der EU dazu führen wird, dass z.B. Ungarns neue Regierung künftig weniger rohstoffrelevante Direktinvestitionen aus China akzeptieren? Ziel 5 betrifft weitere Partnerschaften der EU mit Drittländern – Rohstoff-, Freihandels- und Investitionsabkommen. Auch über diese grundsätzlich sehr erfolgversprechenden Initiativen berichtete dieser Blog bereits.[6] Einige Neuerungen bewirken bereits viel, z.B. die G7-Allianz unter kanadischer Führung. Andere bieten wenig Potenzial, darunter eine G20-Initiative, weil diesem Verbund auch China und Russland angehören.

Fazit[7]

Die EU-Kommission sollte ihren Förder-Dschungel für wichtige und knappe Rohstoffe bald radikal vereinfachen. Die Mitgliedsländer sollten ihr daneben ein starkes (Verhandlungs-)Mandat bei kritischen Rohstoffen übertragen, um den USA und China wirksam entgegenzutreten.


Quellen:

[1] Britta Kuhn, RESourceEU: Senkt der Aktionsplan bald Europas China-Risiko bei kritischen Rohstoffen? Wirtschaftsdienst (2026) 106(5), https://www.wirtschaftsdienst.eu/inhalt/jahr/2026/heft/5/beitrag/resourceeu-senkt-der-aktionsplan-bald-europas-china-risiko-bei-kritischen-rohstoffen.html

[2] Vgl. https://besser-wachsen.com/2026/01/30/eu-und-seltene-erden-wie-unabhangig-von-china-werden/#more-2815

[3] Details und alle Literaturhinweise: Britta Kuhn, RESourceEU…, a.a.O., Abschnitt „RESourceEU ergänzt bisheriges Instrumentarium“.

[4] Details und alle Literaturhinweise: Britta Kuhn, RESourceEU…, a.a.O., Abschnitte „Gesicherte Bevorratung“ bis „Partnerschaften mit Drittländern“.

[5] Schwarzmasse entsteht beim Wiederaufbereiten von Lithium-Ionen-Batterien. Das pulverförmige Zwischenprodukt enthält neben Lithium weitere wertvolle Metalle, die sich durch chemische Verfahren zurückgewinnen lassen.

[6] Vgl. vor allem https://besser-wachsen.com/2025/08/15/eu-rohstoffpartnerschaften/#more-2751; https://besser-wachsen.com/2026/02/27/mehr-eu-freihandelsabkommen/#more-2825

[7] Details und alle Literaturhinweise: Britta Kuhn, RESourceEU…, a.a.O., Abschnitt „Fazit und Ausblick“.

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