Britta Kuhn
Hainan ist seit 1988 ein Sonderwirtschaftszone. Sein BIP pro Kopf blieb aber unter Chinas Durchschnitt. Ein Freihandelshafen und weitere Investitionsanreize sollen das ändern.[1]
Hainans bisherige Entwicklungsdefizite
Schon Chinas Kaiser verbannten missliebige Politiker und Dichter nach Hainan. Unter diesem Ruf leidet die südwestchinesische Insel noch heute. Bis 1984 gehörte sie zu Guangdong, 1988 wurde sie eigenständig. Sie ist Chinas einzige Sonderwirtschaftszone von Provinzgröße. Trotz der damit verbundenen wirtschaftlichen Liberalisierung ist ihr BIP pro Kopf nicht nur das zweitniedrigste von fünf chinesischen Sonderwirtschaftszonen – weit hinter Shenzhen, Zhuhai und Xiamen, nur knapp vor Shantou. Es liegt sogar unter dem chinesischen Gesamtdurchschnitt! Tatsächlich boomte nämlich seit 2009 bestenfalls der Tourismus aus dem nördlichen China und Russland aufgrund des warmen Klimas. Daneben entstanden viele Investitionsruinen wie z.B. Freizeitparks, während es andererseits an wichtiger Infrastruktur z.B. in Richtung Festlandchina fehlt. 2018 verkündete Xi Jinping erstmals einen Freihandelsplan für die Provinz.
Der Plan: Freihandelsparadies bis zur Jahrhundertmitte
Seit Dezember 2025 ist die Provinz der größte Freihandelshafen der Welt. 74% der Importe sind zollfrei. Soweit auf der Insel 30% Wertschöpfung stattfindet, gilt die Zollfreiheit auch für Güter, die nach Festlandchina weitertransportiert werden. Für ausgewählte Bereiche liegt der Steuersatz bei höchstens 15% im Vergleich zu 35% oder 45% auf dem Festland. Vor allem ausländische Medizintouristen und verarbeitende Unternehmen sollen nach Hainan kommen. Ein Pilotprojekt erlaubt Firmen dort, einen weniger limitierten Zugang zum Internet zu beantragen und dadurch z.B. Google zu nutzen. Das ist im restlichen China gesperrt. Schließlich benötigen US-Bürger und Menschen aus 85 weiteren Staaten nicht einmal ein Visum. Wird es, Xi Jinping gelingen, den Freihandelshafen bis zur 100-Jahres-Feier der Volksrepublik 2049 richtig einflussreich zu machen?
Realitäts-Check: Könnte klappen, aber…
Der Economist hält die riesige Entfernung von Beijings Bürokratie für eine wichtige Entwicklungschance der Insel, die fast so groß wie Taiwan und 30-mal so groß wie Hongkong ist. Neben den niedrigen Zöllen und Steuern ist hier außerdem einiges erlaubt, was China ansonsten verbietet – z.B. bestimmte Medikamente oder Medizingeräte. Hainans Finanzwesen ist allerdings längst nicht so liberal wie Hongkongs. Daneben fehlen der Insel bisher Fachkräfte und integrierte Wertschöpfungsketten. Um dies zu ändern, organisiert die Regierung Werbereisen für potenzielle Investoren und winkt mit Subventionen. Auch baut sie 26 (!) Campi für britische, kanadische und chinesische Universitäten, von denen einige bereits eröffnet wurden. Schließlich befindet sich Chinas Reform- und Entwicklungsinstitut in der Hauptstadt Haikou, die auch der Brückenkopf nach Festlandchina ist. Institutspräsident Chi zumindest glaubt fest daran, dass Hainan seinen Ruf verbessern wird.
Quelle:
[1] The Economist, 1.2.26, China has launched a huge free-trade experiment. Will reforms on a big southern island kick-start changes elsewhere? https://www.economist.com/china/2026/02/01/china-has-launched-a-huge-free-trade-experiment