NEXT GENERATION FORUM – FUTURE & FINANCE, 2013 IN FRANKFURT

Marc Fensterseifer und Dennis Reiß

Unter dem Motto „Facing Opportunities – Managing Risks“ trafen sich vom 24 – 26 Mai über 200 Studierende aus aller Welt mit interessanten und hochkarätigen Referenten, um über wichtige weltwirtschaftliche Herausforderungen zu diskutieren. Erfolgreiche Manager bzw. Wirtschaftspolitiker gaben hierbei fundierte Einblicke in ihr Denken und die jungen Teilnehmer tauschten sich auch untereinander intensiv aus. Ziel der Veranstaltung war es, möglichen Nachwuchsmanagern nahe zu bringen, wie Führungspersonen mit aktuell herrschenden Problematiken verfahren und die Denkweise von etablierten Managern kennenzulernen, um im Gegenzug eine Sensibilisierung bzw. Konfrontation mit der eigenen Zukunft zu erhalten.

„Europe For A Better Future“: Issing, Klinz, Mattern und Fuchs-Schündeln

Alle Teilnehmer dieser Diskussionsrunde waren sich einig, dass die europäische Staatsschuldenkrise forciert wurde, weil kein Staat die eigene Souveränität aufgeben wollte. Tatsächlich aber müsse Europa gemeinsam auftreten. Dass dies nicht alleine durch eine gemeinsame Währung realisierbar wäre, sei verständlich. Es müsse eine Legitimationsgrundlage geschaffen werden, die über nationale Argumente hinausgehe, durch beispielsweise genügend Arbeitsplätze. Auch gelte es, die EU als Vorbild für ökologische, ökonomische und soziale Aspekte zu etablieren.

Prof. Dr. Otmar Issing, ehemaliges Direktoriumsmitglied der EZB, kritisierte insbesondere, dass die Arbeitsmärkte „alte“ Menschen unterstützen und „junge“ außen vor lassen würden. Zudem würden bestehende Verträge nicht respektiert. Auch werde die europäische Austeritätspolitik, also das Erreichen eines ausgeglichenen Haushalts ohne Neuverschuldung, nur nach außen propagiert. Dabei sei die Schuldenbremse jedoch ein wichtiger Baustein zur Krisenbewältigung. Den Studierenden legte er nahe, auch länderübergreifend Chancen zu suchen. Die Umsetzung der Lissabon-Strategie aus dem Jahr 2000, welche die EU zum dynamischsten Wirtschaftsraum der Welt hätte machen sollen, bezeichnete er als „Witz“. Im Übrigen sprach er sich für weniger Regulierungen, offene Märkte und eine offene Gesellschaft aus. In diesem Zusammenhang erwähnte Issing die Demonstrationen, die oft in die falsche Richtung geleitet würden, zum Beispiel gegen eine vermeintliche Sparpolititk, obwohl die Staaten gar nicht zu wenig investieren, die Demonstranten aber nicht die Möglichkeit hätten, das Gesamtbild zu sehen und entsprechend zu bewerten. Zu protestieren gelte es für die zuvor genannten Aspekte der Regulierungen und freien Märkte.

Dr. Wolf Klinz, FDP-Mitglied des Europa-Parlaments und Präsident der IHK Frankfurt, plädierte für Wachstumsimpulse durch einfache Budgetverlagerung. Ein Stopp der europäischen Agrarinvestitionen würde beispielsweise einen großen Betrag für Investitionen freisetzen. Nur offene Märkte und Wettbewerb könnten Europa auf den richtigen Weg bringen. Dies funktioniere aber nur, wenn die einzelnen Staaten ihre Egoismen ablegen und sich auf die Zusammenarbeit für ein gemeinsames und starkes Europa einigen könnten. In puncto Krisenprävention sei die Enteignung der Zyprioten bei Sparguthaben über 100.000 Euro als Präzedenzfall anzusehen und dürfte wohl schon in Kürze in den Gesetzen verankert werden.

Frank Mattern, Leiter des Deutschland Büros McKinsey, sprach sich dafür aus, Kartelle und Monopole zu zerschlagen, die es noch zur Genüge gäbe, um private Investitionen zu ermöglichen und damit das Vertrauen in die Krisenländer zu fördern. Die Bankkonten privater Investoren seien gut gefüllt, allein an interessanten Investitionsobjekten fehle es. Auch die Arbeitskräftemobilität von Süd- nach Nord-Europa müsse steigen. Zum Thema der Rettung von Krisenstaaten zeigte er sich davon überzeugt, dass bald eine neue Krise auftreten könne, wenn sich die Zinsraten nicht erhöhen und Kredite für kleine und mittlere Unternehmen nicht forciert würden.

Dr. Nicola Fuchs-Schündeln, Professorin für Macroeconomics and Development an der Goethe Universität Frankfurt, leitete die Herrenrunde und warnte vor einer künstlichen EU ohne Vielfalt, die es zu vermeiden gelte.

„Sustainable Approaches To Banking Regulations – Handling Systemic Risk“: Krahnen, Blessing, Eckers und Schmidt

Die zweite Runde beschäftigte sich mit Bankenregulierung. Im Allgemeinen kritisierte sie sogenannte „Wochenendentscheidungen“, die keine intensive Einarbeitung zuließen und somit keine soliden Entscheidungen. Darüber hinaus fehle meist der rechtliche Rahmen und das Kapital, um die Entscheidungen umzusetzen. Als Beispiel solcher „Schnellschüsse“ diente die Hypo Real Estate: Sie sei ohne Not mit hohen Summen gerettet worden, anstatt sie ordentlich abzuwickeln, nur um einen Bankrun von Kapitalanlegern zu vermeiden.

Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Professor für Finance an der Goethe Universität Frankfurt und Mitglied der Expertengruppe der Europäischen Kommission zu Strukturreformen im europäischen Bankensektor (bekannt für den Liikanen Bericht[1]), forderte einen Mechanismus, mit dessen Hilfe eine Bank aus dem System herausgenommen werden könne und die Märkte problemlos weiterfunktionierten.

Martin Blessing, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank AG, mahnte die schnelle Einführung von Basel III an, die eine Zersplitterung von Investment- und Private-Banking verhindern solle. „Bank Separation“ biete keine nachweisbare Möglichkeit, eine Krise zu verhindern oder zu lösen. Wichtiger seien die Erhöhung von Eigenkapital und die Verringerung von Schulden.

Ein weiterer Diskutant war Burkhard Eckers, Leiter des Bereichs Banking und Capital Markets bei PricewaterhouseCoopers. Prof. Dr. Reinhard H. Schmidt, Professor für International Banking & Finance an der Goethe Universität leitete die Diskussion.

„It’s The Attitude That Matters – Perspectives For Germany“ (Kratz) und „Globalization And Its Impact On Economy And Society“ (Henkel)

Carsten Kratz, Managing Director der Boston Consulting Group, stellte den von BCG entwickelten SEDA Ansatz (Sustainable Economic Development Assessment) vor, eine alternative Möglichkeit der Wohlstandsmessung.

Anschließend erklärte Prof. Dr. Hans-Olaf Henkel sehr anschaulich den Einfluss von Globalisierung auf Wirtschaft und Gesellschaft eines Landes. Sie brächte zwangsläufig Demokratie mit sich und es gebe keine „Verlierer“. Das „sympathische Dreieck“ aus Demokratie, Menschenrechten und Marktwirtschaft ergebe sich praktisch von selbst. Gerne erweitert Herr Henkel sein Dreieck um Kultur zu einem Viereck. Er höre oft das Argument, dass Globalisierung die Kultur der entsprechenden Staaten zerstöre. Das Gegenteil sei richtig: Globalisierung erweitere die kulturellen Möglichkeiten.

„Leadership And Accountibility In A Globalized World“: Ricken, Göttgens, Reitz, Kindler und Eick

Dieses Panel stellte ein lockeres Intermezzo dar, welches das Privatleben von Führungskräften ein wenig beleuchtete. Unter Leitung von Gabriele Eick, ehemalige Direktorin Global Communication and Marketing der Dresdner Bank Gruppe, gaben einige Tipps aus dem Leben von „Leadern“: Dr. Christian Ricken, COO Private & Business Clients bei der Deutschen Bank, Dr. Michael Göttgens, Partner bei Deloitte Deutschland, Dr. Martin Reitz, CEO Rothschild Germany und Johannes Kindler, ehemaliger Berater der Bundeskanzler Kohl, Schröder und Merkel.

„Sustainibility Means Business“: Staub-Bisang

Dr. Mirjam Staub-Bisang, Gründungsmitglied und Managing Partner der Capital Management AG in Zürich, zeigte anhand von Kursentwicklungen, wie nachhaltig geführte Firmen sich mit großem Abstand von der Konkurrenz absetzen. Ihre Kernthese: „Good“ companies do better business to the benefit of shareholders and stakeholders. Es beeindruckte eine Outperformance gegenüber dem Wettbewerb von bis zu 89 Prozent, beim Vergleich des Umsatzes seit Jahrtausendbeginn sogar von bis zu 1500 Prozent. Ein wirklich gelungener Abschluss des informationsreichen Tages.

„Start-Up-Risks“ (Schenk), „Smart-Risk In Times Of Financial Repression“ (Naumer) und Workshops

Der zweite Konferenztag brachte noch einen Einblick in „Start-Up-Risks“ und „Smart-Risk In Times Of Financial Repression“, bevor die diversen Workshops begannen.

Daniel Schenk, Managing Director der Corporate Finance Partners, referierte, dass die Hauptrisiken bei Unternehmensgründungen im Ego der Gründer lägen, da diese ungerne Investoren mitentscheiden ließen, was schnell zu deren Rückzug führen könne. Daneben würde oft verzweifelt nach Ideen gesucht und nicht überprüft, ob überhaupt ein Markt existiere, so dass mitunter gute Unternehmensgründer scheiterten.

Hans-Jörg Naumer, Global Head of Capital Markets & Thematic Research bei Allianz Global Investors, zeigte, dass übermäßig hohe Inflationsraten nicht notwendig seien, um die Staatsverschuldung einzudämmen. So könnten künstlich niedrig gehaltene Zinsraten auf (Staats-)Anleihen den Verschuldungsgrad, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, senken, sofern die Wachstumsrate über den Zinsen läge. Die Voraussetzungen für eine neue Financial Repression seien bereits gegeben und würden teilweise schon angewandt. Als Beispiele führte er Quantitative Easing, ein Instrument zur Staatsfinanzierung ohne Erhöhung der Zinsen, und Teilverstaatlichungen von Banken an.

Fazit der Autoren

Das Next Generation Forum bot Einblicke in die Welt von morgen. Wir lernten sehr zielstrebige und engagierte Studierende aus aller Welt kennen, darunter auch von Spitzenuniversitäten (u.a. Princeton, St. Gallen, Rotterdam und Mannheim), und erhielten einen Eindruck davon, in welche Richtung wir uns selbst entwickeln möchten. Die hochkarätigen Referenten beeindruckten durch Wortgewandtheit und Souveränität. Eine tiefgreifende und neue Auseinandersetzung mit den Themen fand leider nicht statt. Auch hätten wir uns mehr Zeit für Diskussionen und vor allem mehr Kontroversen gewünscht.


Quellen:

[1] Hochrangige Expertengruppe für Strukturreformen im EU- Bankensektor, „Schlussbericht“, 02.10.2012, http://ec.europa.eu/internal_market/bank/docs/high-level_expert_group/report_de.pdf (Abruf: 5.6.2013).

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