Nachhaltige Geldanlage – Nur was für Ökos oder lukrativer Zukunftsmarkt?

Matthias Breil

Nachhaltiges Investment gewinnt immer mehr das Interesse der Kapitalmärkte. Doch woher kommt dieser Trend? Was sind die Kriterien und halten tatsächlich alle „nachhaltigen Geldanlagen“, was sie versprechen? Wie könnte ein allgemein akzeptiertes Gütesiegel aussehen?

Kurze Geschichte des nachhaltigen Bankengeschäfts

Dass Menschen ihr Geld nicht nur nach wirtschaftlichen, sondern auch nach ethischen und ökologischen Kriterien anlegen, verstärkte sich in den 1970er Jahren. In Zeiten des Vietnamkrieges und des Kampfes gegen die Apartheid in Südafrika sträubten sich immer mehr Investoren dagegen, ihr Geld für Waffen oder politisch umstrittene Bewegungen zur Verfügung zu stellen. So wurden in den USA und Großbritannien erste Bankprodukte auf den Markt gebracht, die Ausschlusskriterien bei der Auswahl der Investitionen aufwiesen[1]. In Deutschland gewann die Bewegung erstmals 1974 durch die Gründung der GLS Bank in Bochum größere Aufmerksamkeit[2]. Es folgten weitere Banken, wie die Ökobank, die Ethikbank, die Umweltbank oder die niederländische Triodos Bank, die ebenfalls das geläufige Geschäftssystem ablehnten und nachhaltig etwas verändern wollten[3].

Die Branche erkennt den wachsenden Markt

Heutzutage sind angesichts Klimawandel und Ressourcenknappheit Anleger mit nachhaltigen Interessen schon längst keine Minderheit mehr. Das Umdenken von reiner Renditemaximierung zu langfristigen, werthaltigen Anlagen ist in vollem Gange. Die Finanzkrise hat das Vertrauen der Anleger in Banken massiv geschädigt, sodass sich Investoren zunehmend Gedanken machen, wie die Institute mit Kundeneinlagen arbeiten. Auch ethische Maxime finden immer mehr Bedeutung, wie die mediale Berichterstattung über die Ausbeutung von Menschen in der Dritten Welt durch diverse Bekleidungs- und Sportartikelhersteller zeigt[4].Dies spiegelt sich auch in den Wachstumsraten der genannten Banken wider: Während große Geschäftsbanken wie Commerzbank und Deutsche Bank als Reaktion auf die schwierige Wirtschaftslage zunehmend Stellen abbauen[5], hat die GLS Bank im Jahr 2012 rund 40% Neukunden gewonnen (von 100.000 auf 143.000). Auch die Eigenkapitalrendite von 14% p.a. und der Bilanzsummenanstieg von ca. 20% innerhalb eines Jahres[6] zeigen, dass das Geschäft mit dem Gutmenschtum längst nicht mehr nur durch Fair Trade- Kaffee stattfindet, sondern es auch auf die pauschal als gierig abgestempelten Kapitalmärkte geschafft hat. Die tatsächliche Nachhaltigkeit zeigt sich auch in den gezahlten Gehältern der „Ökobanken“, denn dort gibt es zwar Weihnachts- und Urlaubsgelder, aber keine Boni[7].

Das Gesamtvolumen nachhaltiger Investments in Deutschland wird nach dem aktuellen Marktbericht des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) Ende 2012 auf 73,3 Milliarden Euro beziffert – das entspricht einem Marktanteil von 1,3%. Diese Zahl scheint sehr gering, jedoch ist eben dieses Volumen seit 2011 um 16% gestiegen – der Markt wächst also rapide[8]. Angesichts dieser Zahlen verwundert es kaum, dass die Nischenbanken sich in den letzten Jahren so prächtig entwickelt haben und auch die großen Geschäftsbanken nachhaltige Fonds in ihre Portfolios aufgenommen haben. Geringere Renditen im Vergleich zu üblichen Bankprodukten schrecken die Nachfrage jedenfalls nicht ab: Gibt es bei comdirect Zinsen in Höhe von 0,75% p.a. für Tagesgeld[9], so zahlt die GLS Bank lediglich 0,30% p.a.[10]. Auch die großen Kapitalanlagegesellschaften bieten zahlreiche Energiefonds an, die mit „Nachhaltigkeit“ werben. Meist werden diese über Tochtergesellschaften vertrieben, wie etwa bei der Commerzbank über Allianz Global Investors[11]. Deren Renditen sind geringer als diejenigen herkömmlicher Fonds: Der UniNachhaltigkeit der Union Investment z.B. weist in den letzten drei Jahren eine Gesamtperformance von 7,70%[12] aus – der „gewöhnliche“ UniFonds dagegen 8,54%[13].

Intransparente Nachhaltigkeit

Bei näherer Betrachtung sind die Begriffe „ökologisch“, „grün“, „ethisch“ oder „nachhaltig“ unklar, da es nach wie vor keine Norm bzw. kein Siegel dafür gibt. Anleger müssen sich daher genau informieren, was die jeweiligen Kriterien für einen Fonds beinhalten. Während man bei den „Ur-Grünbanken“ wie der GLS Bank auf deren Website sofort die Anlage- und Ausschlusskriterien[14] findet und als Kunde sogar bei der Eröffnung eines Sparkontos ein Mitbestimmungsrecht hat, für welche Art von Projekten das Geld verwendet werden soll[15], bieten die Großbanken nur wenig Transparenz. Bei der Commerzbank lagen beispielsweise die Aktien des im April 2013 ausgelaufenen Energiefonds cominvest Green Energy Protect einem bankinternen Index zu Grunde, dem Commerzbank Green Energy Basket. Man sucht jedoch vergeblich nach klar formulierten Nachhaltigkeitskriterien dieses Korbs. So spricht z.B. die Commerzbank auf ihrer Website nur von gezielten Anlagen „in nachhaltig wirtschaftende Unternehmen aus den Bereichen Umwelttechnik und alternative Energien“[16]. Ebenso wie man heute einen Bio-Apfel äußerlich kaum noch von einem herkömmlichen unterscheiden kann, ist es auch schwierig, Fonds hinsichtlich der Kriterien voneinander abzugrenzen. Mangels anerkannter Siegel liegt es vollkommen in der Entscheidung des Emittenten, wie die Kriterien gestaltet werden. Reicht es aus, lediglich Unternehmen, die mit Waffen und Menschenrechtsverletzungen in Verbindung gebracht werden, auszuschließen? Hardliner wie die GLS Bank schließen auch weitere Kriterien, wie z.B. Kinderarbeit, Tierversuche, Pornographie oder Kernkraftnutzung aus[17].

Der Natur-Aktien-Index

Ein Beispiel, wie ein solches Siegel aussehen könnte, bieten die Ausschlusskriterien des Natur-Aktien-Index (NAI). Dieser hat seit der Jahrtausendwende stets an Einfluss gewonnen und gilt mittlerweile als Benchmark für nachhaltige Aktieninvestments. Die Kriterien sind so gewählt, dass sowohl etablierte als auch kleinere Unternehmen mit Perspektive im Index enthalten sind. Dabei werden vier Aspekte besonders geprüft: Erstens, ob das Unternehmen Produkte und Dienstleistungen anbietet, die sowohl ökologisch als auch sozial versuchen, Probleme der Menschheit zu lösen. Das zweite und dritte Kriterium befasst sich mit der Produkt- und technischen Gestaltung und setzt dabei eine gewisse Stellung in der Branche voraus. Hierzu zählt beispielsweise eine schadstoffarme Produktion oder die Recyclingfähigkeit des entstandenen Produktes. Das vierte Kriterium befasst sich mit der sozialen Gestaltung im Unternehmen, beispielsweise mit dem Arbeitsschutz oder dem Umgang mit Minderheiten im Unternehmen. Weiterhin hat der NAI Ausschlusskriterien klar definiert. Diese sind nicht nur auf Waffenproduktion beschränkt, sondern schließen sogar Unternehmen aus, die nicht bereit sind, ihren Energieeinsatz oder den Wasserverbrauch der Öffentlichkeit bekannt zu machen[18].

Fazit des Autors

Durch die Finanzkrise hat das ökologische und soziale Umdenken auch den Kapitalmarkt erfasst, „Nachhaltigkeit“ ist für viele Finanzdienstleister lukrativ geworden. Auch wenn die Anleger bei den Renditen Abstriche machen müssen, ist es der richtige Schritt in eine bessere Zukunft, in der die langfristige Entwicklung und nicht die kurzfristige Profitorientierung im Vordergrund steht. Jedoch sollten sich Anleger gut informieren, bevor sie sich für ein entsprechendes Investment entscheiden, da die Kriterien bislang nicht einheitlich sind und die einzelnen Finanzinstrumente hinsichtlich der tatsächlichen Nachhaltigkeit sehr unterschiedlich sind. Zu mehr Transparenz bedarf es meiner Einschätzung nach dringend einer Norm, deren Anforderungen ähnlich wie die des NAI sein könnten. Bis dahin sollten Anleger eher den Urgesteinen des nachhaltigen Bankengeschäfts wie der GLS Bank, der Umwelt– oder der Ethikbank vertrauen als den bekannten Branchengrößen.


Quellen

[1] Vorteils Agentur Dessau, „Ethisches Investment“, http://www.vorteils-agentur-dessau.de/regionale-projekte/ethisches-investment/,(abgerufen am 22.07.2013).

[2] GLS Bank Bochum, „Geschichte“, https://www.gls.de/privatkunden/ueber-die-gls-bank/geschichte/ (abgerufen am 22.07.2013).

[3] Vorteils Agentur Dessau, a.a.O.

[4] Claudia Pientka, „Baumwolle gepflückt von Kinderhand“, Stern.de, http://www.stern.de/lifestyle/mode/hm-produkte-baumwolle-gepflueckt-von-kinderhand-603979.html (abgerufen am 04.08.2013).

[5] Frankfurter Allgemeine Zeitung, „Commerzbank will Ältere halten“, http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/stellenabbau-commerzbank-will-aeltere-halten-12241085.html, (abgerufen am 04.08.2013).

[6] Nadine Oberhuber, „Bank mit grüner Rendite“, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 03.03.2013, Seite 37.

[7] Thomas Reinhold, „Der gute Banker von Bochum“, faz.net, 24.08.2009, http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/geldanlage-der-gute-banker-von-bochum-1840925.html (abgerufen am 03.08.2013).

[8] Rat für nachhaltige Entwicklung, „Markt für nachhaltige Geldanlagen wächst“, 23.05.2013, http://www.nachhaltigkeitsrat.de/index.php?id=7773 (abgerufen am 04.09.2013).

[9] finanzen.Check24.de, „Tagesgeld Empfehlungen“, http://finanzen.check24.de/konto-kredit/tagesgeld/tagesgeld-vergleiche/ (abgerufen am 03.08.2013).

[10] GLS Bank Bochum, „GLS Tagesgeld: Konditionen“, https://www.gls.de/privatkunden/angebote/sparen-anlegen/tagesgeld-privat/konditionen/ (abgerufen am 03.08.2013).

[11] Commerzbank AG, „Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen“, https://www.nachhaltigkeit.commerzbank.de/de/internetportal/marktkunden/bersichtsseitenachhaltigeprodukte/nachhaltigeprodukte.html (abgerufen am 03.08.2013).

[12] Union Investment, „Fondsportrait UniNachhaltigkeit Aktien Global“, http://privatkunden.union-investment.de/handle?action=viewFundPerformance&isin=DE000A0M80G4 (abgerufen am 03.08.2013).

[13] Union Investment, „Fondsportrait UniFonds“, http://privatkunden.union-investment.de/handle?action=viewFundPerformance&isin=DE0008491002%20 (abgerufen am 03.08.2013).

[14] GLS Bank Bochum, „GLS Anlage- und Finanzierungskriterien“, https://www.gls.de/privatkunden/ueber-die-gls-bank/arbeitsweisen/anlage-und-finanzierungskriterien/ (abgerufen am 22.07.2013).

[15] Nadine Oberhuber, a.a.O.

[16] Commerzbank AG, a.a.O.

[17] GLS Bank Bochum, „GLS Anlage- und Finanzierungskriterien“, a.a.O.

[18] Natur-Aktien-Index, „Die NAI Kriterien“, http://www.nai-index.de/seiten/kriterien_lang.html (abgerufen am 22.07.2013).

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Ein Gedanke zu „Nachhaltige Geldanlage – Nur was für Ökos oder lukrativer Zukunftsmarkt?

  1. Jakob sagt:

    Wie man sehen kann doch ein sehr lukratives Geschäft, was sich da in den letzten Jahren entwickelt hat. Dennoch, auch vor einer solchen Investition sollte man sich genau informieren und auch eine entsprechende Beratung in Anspruch nehmen, denn meist geht es doch am Ende um sehr viel Geld, was man unter Umständen verlieren kann, denn jede Investition birgt auch ein Risiko.

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