BEKLEIDUNGSPRODUKTION ÖKOLOGISCH UND SOZIALVERTRÄGLICH MACHEN

Britta Kuhn

Bachelor-Thesis von Annika Schloter zeigt Wege und Vorreiter[1]

Wir kaufen immer häufiger immer billigere Kleidungsstücke. Gleichzeitig schockieren Medienberichte über katastrophale Umwelt- und Arbeitsbedingungen in den Erzeugerländern. Wegen kleinteiliger Wertschöpfungsketten und schwacher Regierungen übernimmt letztlich niemand Verantwortung für gesellschaftliche Schädigungen. Die Abschlussarbeit zeigt konkrete Maßnahmen für eine umweltfreundlichere und sozialverträglichere Bekleidungsproduktion, beispielsweise mehr Transparenz für und Kontrolle durch westliche Handelsketten und Verbraucher. Pioniere wie Hessnatur zeigen, dass nachhaltige und menschenwürdige Textilproduktion kein Luxus sind.

Verursacherprinzip versagt

Was Ökonomen lange als Armutsbekämpfung durch internationale Arbeitsteilung priesen, erweist sich zunehmend als Problem: nur 95 Cent der insgesamt 4,95 Euro für ein T-Shirt bei H&M erreichen den Hersteller und seine Arbeiterinnen[2]. Der jüngste Fabrikeinsturz in Bangladesch zeigte daneben, dass selbst die schwächsten Produktionsstandards in Entwicklungs- und Schwellenländern umgangen werden können. Konsumenten beklagen, dass sie keine Alternativen hätten. Die großen westlichen Handelsketten verweisen auf die große Zahl von Sublieferanten, die sie nicht kontrollieren könnten. Und die Regierungen der Produktionsländer sind oft handlungsunfähig und korrupt. Das Grundprinzip marktwirtschaftlicher Selbstkontrolle, dass Verursacher von Schäden deren Kosten tragen, muss in der weltweiten Bekleidungsproduktion erst noch Fuß fassen. Schloter unterbreitet hierzu vielfältige Vorschläge.

Weniger Chemikalien, bessere Baumwolle

Greenpeace fand in zahlreichen Kleidungsimporten Chemikalien, die in der EU verboten sind. Hier wären wesentlich mehr Kontrollen und strengere Haftung nötig, auch seitens der westlichen Handelsketten. Daneben existieren bereits umweltfreundliche Alternativen, etwa bessere oder Bio-Baumwolle. Sie verbrauchen weniger Wasser und verzichten teilweise bzw. ganz auf Pestizide und Gentechnik[3].

Echte Transparenz, würdige Arbeitsbedingungen und Löhne

Zahllose Lieferanten und Sublieferanten verstellen den Blick auf die Produktionsbedingungen. Daher sollten die Auftraggeber nur mit wenigen Lieferanten zusammenarbeiten und/oder unabhängige Monitoring-Organisationen mit häufigen und unangekündigten Kontrollen beauftragen. Auch bei der Entwicklung besseren Regierungsverhaltens und der Korruptionsbekämpfung könnten die politisch einflussreichen Handelsunternehmen helfen. Ihr Druck käme auch besseren Arbeitsbedingungen für die Arbeiterinnen und dem gemeinsamem Kampf gegen Kinderarbeit zugute. Schließlich würde selbst eine Verdopplung der Löhne in Ländern wie Bangladesch die westlichen Bekleidungspreise kaum erhöhen[4].

Auch die Konsumenten wären weniger ohnmächtig, würde sich ein umfassendes soziales und ökologisches Gütesiegel etablieren. Derzeit existieren nur anerkannte ökologische oder soziale Standards. Händler wie H&M oder Primark vermarkten darüber hinaus firmeninterne Prädikate, weil sie die externen Standards nicht erfüllen. Diese Siegel verwirren und täuschen die Verbraucher[5].

Vorbild Hessnatur?

Nach eigener Aussage verwertet das Handelsunternehmen im Herstellungsprozess nur natürliche Stoffe und beauftragt ausschließlich umweltschonende Produktionsbetriebe[6]. Lieferanten dürfen keine Subkontraktoren einschalten, so dass der Überblick über die Herstellungsbedingungen nicht verloren geht. Schließlich führt Hessnatur neben unabhängigen auch eigene Betriebsprüfungen durch und hilft anschließend beim Ausbau der Sozialstandards. Das Unternehmen erfüllt bereits heute mit dem „Global Organic Textile Standard“ (GOTS) und dem „Gütesiegel des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft“ (IVN) zwei strenge ökologische Gütesiegel[7]. Bei Hessnatur sind zwar die Preise höher und die Stückzahlen kleiner als bei H&M. Dies gilt aber gerade auch für Luxusmarken wie Armani, die bisher nicht durch nachhaltige und sozialverträgliche Produktion aufgefallen sind.


Quellen:

[1] Annika Schloter, „Wege zu mehr ökologischer und sozialer Verantwortung in der weltweiten Bekleidungsindustrie“, Bachelor Thesis, Wiesbaden Business School der Hochschule RheinMain, 30.08.2013.

[2] Annika Schloter, a.a.O., Abbildung 1, S. 2. Zitiert nach: Wolfgang Uchatius, „Das Welthemd“, Die Zeit, 16.12.2010, http://www.zeit.de/2010/51/Billige-T-Shirts (Zugriff 06.09.2013).

[3] Annika Schloter, a.a.O., Kapitel 3.1 und 3.3.3.

[4] Annika Schloter, a.a.O., Kapitel 3.2.

[5] Annika Schloter, a.a.O., Kapitel 3.3.1.

[6] Annika Schloter, a.a.O., S. 6. Zitiert nach Hessnatur, „Richtlinien: Umweltschutz“, http://de.hessnatur.com/ueberuns/standards-qualitat/richtlinien-umweltschutz/ (Zugriff 06.09.2013).

[7] Annika Schloter, a.a.O., S. 9 und 15. Zitiert nach Hessnatur, „Bericht zur Nachhaltigkeit“, 2011/12, http://de.hessnatur.com/ueberuns/wp-content/uploads/sites/5/2013/06/Nachhaltigkeitsbericht-13_FINAL_Ansicht_Download.pdf (Zugriff 06.09.2013).

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