Wem nützen „all inclusive“ & Co?

Britta Kuhn

Ob Papst Franziskus schon einmal „all inclusive“-Urlaub gemacht hat? An manchen Stränden dieser Welt ist das „all inclusive“-Konzept inzwischen fast alternativlos. Aber woher kommt es? Was macht es so erfolgreich? Und ist es wirklich überlegen?

Herkunft Club-Urlaub

Mit dem Siegeszug des Massentourismus ab den 1950er Jahren entwickelten sich Urlaubsformen, die den Reisenden immer mehr Entscheidungen abnahmen. Dazu gehörten Club-Urlaube, bei denen praktisch sämtliche Aktivitäten innerhalb einer Hotelanlage pauschal abgegolten wurden[1]. Auch im Alltagsleben gewannen pauschale Entgeltmodelle an Bedeutung. So bieten viele Restaurants seit Jahrzehnten „All you can eat“-Buffets. Und Flatrates existieren nicht nur in Fitness-Studios und der Telekommunikation, sondern auch in Deutschlands Bordellen [2].

Betriebswirtschaftliche Vorteile

Für die Anbieter rechnet sich die Pauschale, weil die tatsächliche Nutzung im Durchschnitt hinter der beabsichtigten zurückbleibt. Die Konsumenten nehmen sich also mehr vor, als sie später tatsächlich schaffen. Was Verhaltensökonomen anhand der Mitgliedschaft in Fitnessstudios wissenschaftlich nachwiesen[3], gilt offenbar auch für Bordelle[4]. Auch beim Essen vergeht den meisten Gästen schnell der Appetit, zumal sich das Angebot in der Regel auf Masse statt Klasse richtet. Extrem überkonsumtiven Gästen wird schließlich Hausverbot erteilt[5].

Volkswirtschaftliche Nachteile

Existiert ein gewachsenes Umfeld der „all inclusive“-Angebote, etwa in traditionellen Urlaubsregionen, so wird dieses oft verdrängt[6]. Daneben führt das Gefühl der Kostenlosigkeit bei vielen Menschen zu übermäßigem Konsum. Dieser „negative Grenznutzen“ kommt zwar in der traditionellen neoklassischen Volkswirtschaftslehre per Definition nicht vor, lässt sich aber z.B. bei alkoholisierten und sich übergebenden „all inclusive“-Touristen beobachten. Schließlich kämpfen viele Industrie- und Schwellenländer mit zunehmender Fettleibigkeit und damit verbundenen chronischen Krankheiten. Sie strapazieren die Gesundheitssysteme und senken die Arbeitsproduktivität. „Spitzenreiter“ Mexiko z.B. führte deshalb zum Jahresbeginn 2014 eine Strafsteuer auf Fast Food ein[7].

Fazit: „All-inclusive“-Modelle mit Bedacht auswählen!

Es kann selektiv sinnvoll sein, pauschale Arrangements zu treffen, um die „Transaktionskosten“ wiederholter Verhandlungen zu senken. Als klassisches Beispiel diene der Arbeitsvertrag. Wo es aber zu Völlerei und anderen Konsumexzessen zu kommen droht, sollten wir auf der individuellen Ebene Einzelbezahlmodelle bevorzugen. Denn: „Der Versuchung ganz aus dem Weg zu gehen ist einfacher, als gegen sie anzukämpfen.“[8] Auf gesamtgesellschaftlicher Ebene könnte über Strafsteuern auf ungesunde Flatrates wie z.B. „All you can eat“-Angebote nachgedacht werden. Auch der heute übliche, würdelose Sturm aufs Buffet ließe sich dadurch verringern.


Quellen:

[1] Wikipedia, „Cluburlaub, Geschichte“, http://de.wikipedia.org/wiki/Cluburlaub (Zugriff 24.1.2014).

[2] Vgl. z.B. Lusthaus, „Liste aller FKK-Clubs, Saunaclubs, Pauschalclubs“, http://www.lusthaus.cc/fkk/ (Zugriff 24.1.2014): „In den Pauschalclubs (Flatrate/All-Inclusive Clubs) zahlst du nur den einmaligen Eintritt, und kannst dann ficken mit wem und so oft du willst.“

[3] Stefano Dellavigna and Ulrike Malmendier, “Paying Not to Go to the Gym”. American Economic Review, Vol. 96 No. 3, June 2006, S. 694-719, http://emlab.berkeley.edu/~ulrike/Papers/gym.pdf (Zugriff 24.1.2014).

[4] Roland Brockmann, „Mehr als zweimal kann kaum einer“. Stern.de, 25.3.2009, http://www.stern.de/lifestyle/liebesleben/flatrate-bordell-mehr-als-zweimal-kann-kaum-einer-658982.html (Zugriff 24.1.2014).

[5] Spiegel Online, „All you can eat“: Restaurant wirft vielfräßige Stammgäste raus“. 3.10.2012, http://www.spiegel.de/panorama/all-you-can-eat-restauran-erteilt-vielessern-hausverbot-a-859290.html (Zugriff 24.1.2014).

[6] Wikipedia, „Cluburlaub, Geschichte“, a.a.O.

[7] Ärzte Zeitung, „Strafsteuer auf Fast Food in Mexiko“. 1.11.2013, http://www.aerztezeitung.de/panorama/article/849199/kampf-fettsucht-strafsteuer-fast-food-mexiko.html (Zugriff 24.1.2014).

[8] Dan Ariely, „Denken hilft zwar, nützt aber nichts. Warum wir immer wieder unvernünftige Entscheidungen treffen.“ Ulm 2008, S. 132.

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Ein Gedanke zu „Wem nützen „all inclusive“ & Co?

  1. Martin sagt:

    Also ich finde das all inclusive Konzept toll und sehe bei jedem Urlaub zu, dass ich auch konsumiere, wofür ich bezahlt habe. Dafür muss ich dann im Herbst wieder auf’s Laufband. 😛

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