Transition Town und Verkehrswende Wiesbaden

Britta Kuhn

Wiesbaden, die neureiche Rentnerstadt? Nicht nur! Auch hier gibt es wichtige Bewegungen für ein langfristig gutes Leben. Zum Beispiel die Transition Town Wiesbaden oder das Bündnis Verkehrswende.

 Transition Town Wiesbaden[1]

Die Transition-Town-Bewegung entstand im Jahr 2006. Sie will Städte in aller Welt zu einer postfossilen und relokalisierten Wirtschaft führen[2]. Auch die Wiesbadener Bürgerinitiative, eine von weltweit mehr als 1.000, verfolgt das Ziel, unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem langfristig und damit widerstandsfähiger auszurichten. Bei aller Heterogenität steht die Bewegung der Postwachstumsökonomie eines Niko Paech sehr nahe. Sie möchte also zum Beispiel das Leben durch weniger klassische Erwerbsarbeitszeit entschleunigen, durch Einfachheit auf Wesentliches konzentrieren (“Suffizienz“), die Selbstversorgung stärken („Subsistenz“), Gemeinschaftsgüter wie städtische Gärten zur gemeinsamen Nutzung fördern(„Commons“), oder die Demokratie durch kooperative Entscheidungsstrukturen verbessern.

Wiesbaden betreibt unter anderem die Projektgruppen „Geld und Wirtschaft“ oder „Mobilität“. Die erste Gruppe arbeitet „an konkreten Projekten für ein zukunftssicheres, solidarisches Geld- und Wirtschaftssystem“. Dies könnte evtl. eine Teilnahme an der Regionalgeld-Initiative sein, bleibt aber auf der Homepage offen. Wesentlich konkreter informiert hier die Mobilitätsgruppe: Sie möchte das Zu-Fuß-Gehen, Radfahren und den öffentlichen Nahverkehr fördern, dagegen den motorisierten Individualverkehr verringern. Insofern erstaunt es nicht, dass die Wiesbadener Bewegung auch mit dem lokalen Verkehrswende-Bündnis kooperiert.

Bündnis Verkehrswende Wiesbaden[3]

Die Bündnispartner kommen unter anderem vom Verkehrsclub Deutschland (VCD), vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) und aus politischen Parteien wie Grünen und Linken. Sie wollen den Wiesbadener Verkehr energieärmer gestalten: „Wie wäre es mit einem Wiesbaden, in dem die meisten Einwohner es für unnötig halten, ein Auto zu besitzen, weil es attraktiven Nahverkehr mit ebenso flexiblen wie komfortablen Anbindungen an andere Städte und ins Umland sowie schnelle und sichere Radverbindungen gibt?“[4] Für dieses Ziel stellen die Akteure sehr sichtbare Zeichen auf: So organisieren sie einmal monatlich einen Fahrradkorso durch die Wiesbadener Innenstadt, an dem jeder teilnehmen kann. Schon zweimal fand das Verkehrswendefest an der Ringkirche statt, bei dem es zu Straßensperrungen für diese autofreie Bürgerfeier kam. Noch bis zum 2. Juli gibt es die spektakuläre „Radwende“-Kunstinstallation im Museum Wiesbaden. Hierbei zeichnen Radfahrer per App ihre Fahrstrecke auf, die am nächsten Tag Teil eines ausgestellten Kunstwerks wird[5].

Wie mitmachen?

Transition Town-Interessierte können bei denjenigen Projekten teilnehmen, die sie interessieren. Termine und Treffpunkte finden sich auf der Homepage. Allerdings könnten die Arbeits- und Entscheidungsstrukturen für handlungs- und entscheidungsorientierte Menschen gewöhnungsbedürftig sein: „Wir arbeiten mit einem experimentellen Konsens-Prinzip mit konstruktivem Veto-Recht. (…) wir diskutieren Punkte so lange unter der Abwägung verschiedenster Informationen und Standpunkte aus, bis sich alle Gruppenangehörigen in dem Ergebnis wieder finden können.“[6] Der Entschleunigung von Lebensprozessen dürfte diese hierarchiearme Struktur jedoch allemal dienen.

Wer die Verkehrswende kennenlernen möchte, ist am besten an einem ersten Donnerstag im Monat um 18 Uhr am Wiesbadener Hauptbahnhof und beteiligt sich am Fahrradkorso. Das nächste Ringkirchenfest findet voraussichtlich im September 2014 statt. Die Kunstwerke der „Radwende“-Installation können auf der Finissage am 2. Juli gekauft werden.


Quellen:

[1] Soweit nicht anders angegeben: Wiesbaden im Wandel „Transition Town Wiesbaden – ein gutes Leben für uns und die nachfolgenden Generationen“, http://wiesbaden-im-wandel.de/ (Zugriff 27.6.2014)

[2] Transition Netzwerk Deutschland/Österreich/Schweiz, „Was sind Transition (Town) Initiativen?“, http://www.transition-initiativen.de/ (Zugriff 27.6.2014)

[3] Soweit nicht anders angegeben: Bündnis Verkehrswende Wiesbaden, http://verkehrswendewiesbaden.wordpress.com/ (Zugriff 27.6.2014)

[4] Radwende, „Radwende im Museum Wiesbaden 22. Mai – 2. Juli“, https://www.radwende.de/de/ (Zugriff 27.6.2014)

[5] Radwende, a.a.O.

[6] Transition Town Wiesbaden, a.a.O.

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