FAHRRÄDER LASSEN AFRIKA WACHSEN


Britta Kuhn

Robuste Fahrräder verbessern die Bildung, Gesundheit und Ernährung vieler Afrikaner. Frugal Innovation ist geboten.

Wachstumsmotor Fahrrad

In ländlichen Gebieten Afrikas gehen die Menschen zu Fuß. Deshalb besuchen viele Kinder, vor allem Mädchen, keine Schule, der Wassertransport ist erschwert, (Aids-)Kranke erhalten medizinische Versorgung zu spät und Kleinunternehmer können ihre Waren nur vor Ort anbieten. Fahrräder, die den lokalen Gegebenheiten angepasst sind, erweitern den Möglichkeitsraum. Sie müssen allerdings extrem robust und einfach sein, um funktionsfähig zu bleiben bzw. vor Ort repariert werden zu können. Ein Fall frugaler Innovation, also einfacher und preiswerter Lösungen für Entwicklungs- und Schwellenländer[1].

Ermutigende Projekte

Seit 2005 bietet die Non-Profit-Organisation „World Bicycle Relief“ Transportfahrräder in armen Ländern wie z.B. Angola, Botswana, Kenia, Tansania, Zimbabwe und dem Südsudan an. Nach Angaben der Organisation erreichte ihr „Buffalo-Rad“ dreierlei: Mädchen gehen öfter und erfolgreicher zur Schule, Kranke erhalten schneller Hilfe und Kleinunternehmer wie z.B. Milchbauern können Überschüsse an Sammelstellen verkaufen. Das Fahrrad kann bis zu 100 Kilogramm transportieren, hat pannensichere Langzeitreifen und verzichtet auf Schnickschnack, der schnell defekt ist und moderne Fahrräder in reichen Ländern kennzeichnet. Falls es dennoch repariert werden muss, stehen einheimische Mechaniker zur Verfügung, die extra dafür ausgebildet wurden, aber auch eine leicht verständliche Gebrauchsanweisung[2].

Bereits seit 1996 existiert in Österreich das Projekt „Bikes4Africa“. Ein Rotary-Club sammelt gebrauchte Fahrräder und verschifft sie nach Afrika[3]. Vorteil dieser Aktion: Die Herstellungskosten entfallen, denn es handelt sich um ungenutzte Wohlstandsreserven reicher Länder. Nachteil: Die Fahrräder sind den lokalen Bedingungen nicht angepasst, dürften also schnell schadhaft und mangels Ersatzteilen unbenutzbar sein.

Viele weitere NGOs erleichtern den Zugang zum Radfahren im ländlichen Afrika: „Fahrräder für Afrika“ hilft beispielsweise seit 2010 beim Aufbau einheimischer Fahrradwerkstätten, in denen Einheimische auch preiswerte und robuste Zweiräder kaufen können[4]. Auch das „Bicycle Empowerment Network Namibia“ baut in diesem Land Reparaturbetriebe auf, viele weitere Hilfsorganisationen verschiffen gebrauchte Fahrräder aus Industrieländern[5].

Fazit der Autorin

Am Wirksamsten erscheinen Initiativen, die einfache und extrem robuste Fahrräder an afrikanische Mädchen verschenken: Deren Bildungschancen sind ein wichtiger Schlüssel für den Weg aus Überbevölkerung, Krankheit und Armut. Hochsensible Gebrauchträder aus reichen Ländern dürften für die lokalen Gegebenheiten eher ungeeignet sein. Niemand möchte ständig reparieren, selbst wenn alle Ersatzteile und Kenntnisse zur Verfügung stehen.


Quellen:

[1] Siehe auf diesem Blog: „Frugale Innovationen für nachhaltige Produkte“, 6.4.2014, https://besserwachsen.wordpress.com/2014/04/06/frugale-innovationen-fur-nachhaltige-produkte/?preview=true&preview_id=808&preview_nonce=a15839f31a&post_format=standard.

[2] World Bicycle Relief, „Mehr als ein Fahrrad“, www.worldbicyclerelief.de (Abruf 22.7.2015).

[3] Rotary-Club, „Linz: Fahrräder für Afrika“, Rotary Magazin 4/2015, S. 103.

[4] Fahrräder für Afrika e.V., www.fahrraeder-fuer-afrika.de (Abruf 22.7.2015).

[5] ADFC Frankfurt, „Warum ausgerechnet Fahrräder? Wie das „Bicycle Empowerment Network Namibia“ zu einer nachhaltigen Entwicklung beiträgt“, 11.11.2014http://www.adfc-frankfurt.de/Frankfurt_aktuell/FFA_Archiv/Ausgabe_2014_6/2014_6_20_warum_ausgerechnet.html (Abruf 22.7.2015).

 

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