BETRIEBSWIRTE UND SOZIALARBEITER: GLEICH ODER VERSCHIEDEN?


Britta Kuhn

Lebensstil-Studie der Wiesbaden Business School ausgeweitet

Wiesbadener BWL-Studierende leben nicht nachhaltig, sondern normal – so das Ergebnis einer ersten Befragung im vergangenen Wintersemester[1]. Gilt dies auch für angehende Sozialarbeiter? Insgesamt 250 Antworten aus den Studiengängen Business Administration (BBA) und Soziale Arbeit der Hochschule RheinMain zeigen Unterschiede nach Fach und Geschlecht, aber auch Gemeinsamkeiten[2].

Fächerunterschied v.a. bei Mobilität, politischem Interesse und Studienwahl

Zwei von drei Betriebswirten flogen in den letzten Urlaub, gegenüber „nur“ 42% der Sozialarbeiter. Hauptsächlich mit dem Fahrrad waren nur drei aller 250 Studierenden zur Hochschule gekommen – hierbei spielte das Studienfach allerdings keine Rolle, ebenso wenig wie Wetter und Standort.

Ihrer politischen Information widmete am Vortag nur ein knappes Viertel aller Wirtschaftsstudierenden über eine Stunde. In Sozialer Arbeit war es immerhin mehr als ein Drittel. Die Damen informierten sich durchweg deutlich kürzer als die Herren.

Als Hauptmotiv ihrer Studienwahl nannten 42% der Sozialarbeiter „Menschen helfen“. „Interesse“ erreichte mit 30% den zweiten Platz. Bei den BBA-Erstsemestern landete „Interesse“ im Sommersemester mit 45% auf Rang 1 gegenüber 40% im Wintersemester bzw. 36% bei den Examenskandidaten. Pragmatische Argumente wie „Arbeitsplatz/viele Möglichkeiten“ oder „Weiterbildung“ spielten erwartungsgemäß ebenfalls eine große Rolle. Das Klischee „BWL studieren nur geldgeile Karriere-Fuzzis, Sozialarbeit nur Naivlinge mit Helfersyndrom“ ist also nicht restlos von der Hand zu weisen, wie auch die unterschiedliche Haltung zu Geld belegt.

Mann-Frau-Spezifika v.a. bei Geld und Ernährung

Geld erleichtert 50% der befragten Sozialarbeiter vornehmlich ein sorgenfreies Leben. Nur 28% sahen darin primär die Möglichkeit, Bedürfnisse umfassend zu befriedigen. Für diesen Unterschied waren jedoch ausschließlich die Damen verantwortlich. Sie hängen auch in Betriebswirtschaft weniger am Mammon als die Herren, siehe Schaubild. Allerdings hatten die Betriebswirte des Wintersemesters insgesamt wesentlich stärker für die Basisvariante „Geld erleichtert ein sorgenfreies Leben“ votiert (45% im ersten und sogar 54% im sechsten Semester).

Geld ermöglicht in erster Linie…

Geld ermöglicht artikel

Quelle: Befragungen 1. Sem., SS 15. Ergebnisse für BBA 1./6. Sem. im WS 14/15 stärker zugunsten „sorgenfreies Leben“

Thema Ernährung: Rund 5% der angehenden Betriebswirtinnen und sogar 24% der Sozialarbeiterinnen hatten an den sieben Tagen zuvor fleischlos gegessen. Während die BBA-Herren über alle Befragungen nur einen einzigen Vegetarier aufwiesen, lebten 8% der männlichen Sozialarbeiter während der Vorwoche fleischlos – also mehr als bei den BBA-Damen. Klischeekonform fiel dagegen der weibliche Obst- und Gemüseverzehr im Durchschnitt deutlich höher aus als bei den Männern.

Ähnlichkeit v.a. bei Lebenszielen und Beziehungspflege

Bei der offenen Frage „Stellen Sie sich vor, Sie liegen mit 90 Jahren auf dem Sterbebett: Was würden Sie dann voller Stolz am liebsten über Ihr Leben sagen können?“ nannten im Sommersemester 2015 rund 60% aller Teilnehmer „ein erfülltes Leben“ an erster Stelle – und zwar unabhängig vom Studiengang. Was das genau heißt, blieb leider weitgehend offen. 16% in BBA und 8% in Sozialer Arbeit beantworteten die Frage erst gar nicht. Der Gesamteindruck über alle vier Erhebungen: Einzelne Auskünfte erwiesen sich als überaus tiefgründig und konkret, insgesamt aber wirkte diese Aufgabe offenbar abstrakt und schwierig.

Digitale Beziehungspflege stach durchweg persönliche Treffen. Innerhalb der letzten sieben Tage hatten sich weniger als 10% der Befragten täglich mit Bekannten außerhalb von Hochschule und Arbeitsplatz getroffen. Den wichtigsten Bezugspersonen begegnete im selben Zeitraum ein gutes Drittel persönlich, die restliche Kommunikation übernahmen WhatsApp & Co. Einziger auffälliger Unterschied: In Sozialer Arbeit luden nur 60% ihr Smartphone täglich auf, in Betriebswirtschaft je nach Befragung 75-78%.

Fazit

Viele weitere Befunde, etwa zu Einkaufsverhalten, Schlaf oder Sport wiesen keine bemerkenswerten Abweichungen zur gesamten „Generation Y“ auf[3]. Meine Grundsatzfrage „Leben junge Menschen nachhaltig?“ lässt sich verneinen. Der „normale“ Lebensstil zeichnet nicht nur BWL-Studierende aus, sondern abgeschwächt auch angehende Sozialarbeiter.


Quellen:

[1] Kurzfassung und Hinweis zum vollständigen Bericht: Britta Kuhn, „Zwei Drittel fliegen in den Urlaub“, 2.4.2015, https://besser-wachsen.com/2015/04/02/zwei-drittel-fliegen-in-den-urlaub/#more-1004.

[2] Datenbasis: Wintersemester 2014/15: 1. bzw. 6. Sem. BBA (n=65 bzw. 39). Sommersemester 2015: 1. Sem. BBA bzw. Soziale Arbeit („https://besserwachsen.files.wordpress.com/2015/09/geld-ermc3b6glicht-artikel.png?w=580“.src=“https://besserwachsen.files.wordpress.com/2015/09/geld-ermc3b6glicht-artikel.png?w=580″ alt=“Geld ermöglicht artikel“ width=“580″ height=“393″ />

[3] Weiterführend: Britta Kuhn, „Betriebwirte fliegen in den Urlaub, Sozialarbeiter auf Vegetarisch“, in: WBS-Highlights 2015, S. 13-15, https://www.hs-rm.de/wbs/forschen/forschungsbroschuere-der-wiesbaden-business-school/index.html.

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