FLIEGEN WIR BALD DURCH DIE STADT?


Britta Kuhn

Natalie Meyers Bachelor Thesis bewertet innovative Mobilitätskonzepte für Innenstädte[1]

Was haben Seilbahnen, „Personal Rapid Transit“-Systeme, fliegende Autos und schwebende Fortbewegungsmittel gemeinsam? Sie könnten den wachsenden Innenstadt-Verkehr entlasten.

Weltweite Pilotprojekte gegen verstopfte Ballungsräume[2]

Die Abschlussarbeit fasst zunächst mit aktuellen Zahlen zusammen, worunter die Innenstädte dieser Welt immer mehr leiden: Staus, Luftverschmutzung, Lärm und Verkehrsopfer[3]. Dieser Blog diskutierte in der Kategorie Mobilität bereits seit 2012 zahlreiche Möglichkeiten, die den innerstädtischen Verkehr kurzfristig entlasten könnten. Natalie Meyer analysiert nun aktuelle und langfristige Lösungsansätze: Seilbahnen für zahlreiche Pendler betreibt Bolivien schon seit 2014 zwischen seiner Hauptstadt La Paz und El Alto. Bis 2019 sollen sechs weitere Linien folgen. Wuppertal diskutierte Mitte 2017 noch über eine Seilbahn zwischen Hauptbahnhof und Universität. Bei „Personal Rapid Transit“ oder PRT-Systemen handelt es sich um kleine selbständige Fahrzeuge, die auf diversen Fahrwegen verkehren. Die Firma skyTran testet derzeit oberirdische Gondeln, die z.B. ab Ende 2020 im nigerianischen Lagos eingesetzt werden sollen. Bisher nur in einem neuseeländischen Freizeitpark kursiert eine Kombination aus Einschienenbahn und Liegefahrrad der Firma Shweeb. Fliegende Autos entwickelt der US-Anbieter Terrafugia – die Produktion des TF-X dürfte aber noch 8-12 Jahre dauern. Bereits im Jahr 2019 soll der Elektro-Jet des deutschen Startups Lilium Aviation für rund 300.000 € auf den Markt kommen. 185.000 bis 280.000 € soll das chinesische Modell EHang 184 kosten, das aber noch nicht marktreif ist. Individuelle Fortbewegungsmittel, die vereinfacht gesagt Elektro-Skateboards und -Roller weiter entwickeln[4] bieten z.B. Lexus (schwebendes Hoverboard SLIDE), die ARCA Space Corp. (ebenfalls schwebendes, aber nicht magnetisches ArcaBoard) und in Kürze ein deutscher Entwickler (ein auf einer Kugel balancierender Scooter namens eBall). Erst als Prototyp existiert Carr-E, eine elektrische Plattform mit vier Rädern.

Rechtliche und gesellschaftliche Hürden bremsen[5]

Die Thesis vergleicht alle Optionen gründlich. Meine Abbildung fasst die Bewertung extrem vereinfacht zusammen, stellt also eine deutliche inhaltliche Verkürzung dar. Die Tabelle zeigt aber dreierlei: Erstens haben Seilbahnen und (oberirdische) Gondeln insgesamt die größten Vorteile. Zweitens fehlt noch durchweg der rechtliche Rahmen. Drittens müsste die Bevölkerung auf die Neuerungen vorbereitet werden. In Deutschland verbinden z.B. viele Menschen Seilbahnen nur mit Freizeit und Sport. Auch ist die Angst vor dem autonomen Fliegen groß und dürfte mittelfristig nur für Großstädte wie Frankfurt realistisch sein.

Abbildung: Bewertung der innovativen Fortbewegungsmittel (+ positiv, – negativ, ? nicht eindeutig)

Seilbahnen PRT-Systeme Fliegende Autos „Skateboards“
technisch + + + ?
ökologisch + + ?
wirtschaftlich + +
rechtlich
gesellschaftlich ? ? ?

Fazit

Die innerstädtische Mobilität der Zukunft scheint vor allem in der Luft zu liegen. Wuppertal führte schon vor über 100 Jahren seine weltberühmte Schwebebahn ein – aus Platzmangel. Warum wurde dieses Konzept eigentlich bisher nicht kopiert? Natalie Meyer ihrerseits glaubt, dass vor allem rechtliche und gesellschaftliche Hindernisse Veränderungen bremsen werden. Sie schlägt deshalb eine „Versuchsstadt“ vor, deren Erfolgskonzepte dann schrittweise in weitere Städte übertragen würden[6].

 

Quellen:

[1] Natalie Meyer, „Innerstädtische Mobilität der Zukunft: Darstellung und Bewertung innovativer Projekte“, Bachelor Thesis, Wiesbaden Business School der Hochschule RheinMain, 9.3.2017.

[2] Soweit nicht anders angegeben: Natalie Meyer, a.a.O., Kap. 2 i.V.m. dem Anhang.

[3] Natalie Meyer, a.a.O., Kapitel 1.

[4] In Abb. 1 noch verkürzter als „Skateboards“ bezeichnet. Natalie Meyer, a.a.O., S. 8, spricht hier genauer von „E-Bikes, Pedelecs, E-Rollers, Segways, Mini-Segways (Hoverboards) und Elektro-Skateboards“.

[5] Soweit nicht anders angegeben: Natalie Meyer, a.a.O., Kap. 3.

[6] Natalie Meyer, a.a.O., Kap. 4.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: