CHINAS DIGITALUNTERNEHMEN FÜR ANFÄNGER


Britta Kuhn

Kennen Sie Baidu? Oder Jean Liu? Beide sind in China allgegenwärtig, expandieren auch im Westen und brechen (vereinzelt) Klischees.[1]

Baidu versus Google

Baidu ist mit Google bzw. Alphabet vergleichbar. Die Suchmaschine aus Beijing wurde 2004 von Robin Li gegründet. In China heißt der 1968 geborene Li „Li Yanhong“. Aber auf internationalem Parkett sind englische Vornamen, die einem kurzen Nachnamen vorangehen, leichter vermittelbar. Google spielt in China keine Rolle, Baidu sehr wohl. Das liegt erstens am beschränkten chinesischen Marktzugang für ausländische Produkte und Dienstleistungen, zweitens an der strengen Zensur des lokalen Internets und drittens am größten Heimatmarkt der Welt, den chinesische Gründer besser einschätzen können als ihre asiatische und westliche Konkurrenz.

Tencent versus Facebook

Aber nicht alle chinesischen Digitalunternehmen sind allein aus protektionistischen Gründen stark: WeChat z.B. gilt als Pendant zu Whatsapp, Skype, Instagram und Facebook in einem. Hinzu kommt noch die mobile Bezahlfunktion WeChat Pay. Betreiber Tencent sitzt in Shenzen. Firmenchef Pony Ma (Ma Huateng, Jahrgang 1971) ist in China mindestens so bekannt wie bei uns Mark Zuckerberg. Tencent spielt außerhalb Chinas allerdings eine viel geringere Rolle als Facebook jenseits der USA.

Alibaba et al. versus Amazon & Co.

Am bisher erfolgreichsten verlief Alibabas Internationalisierung, wohl auch dank des inzwischen weltbekannten Jack Ma (Ma Yun, Jahrgang 1964). Der ehemalige Englisch-Lehrer aus Hangzhou nahe Shanghai hat mit Alipay außerdem eine echte Konkurrenz zu Paypal im Rennen. Und so ließe sich die Liste beliebig fortsetzen. Hier nur ein paar Beispiele: Huawei (Shenzen, Mobiltelephone); NetEase (Hangzhou, Online-Spiele); Mobike (Shanghai, Online-Fahrradverleih); Didi Chuxing (Beijing, Online-Fahrdienste); Ctrip (Shanghai, Online-Reiseportal); Tujia (Beijing, Online-Zimmervermittlung).

Chinas Digitalszene konzentriert sich vor allem auf drei Cluster: Beijing im Nordosten, Shanghai und Hangzhou im Osten, sowie Shenzen im Südosten. Der riesige Nord- und Südwesten Chinas spielt keine Rolle, die Mitte nur vereinzelt, z.B. mit Xi’an. Hier sitzt z.B. der große Alibaba-Rivale JD.com.

Jean Liu & family versus Sheryl Sandberg & friends

Wie in westlichen Industrieländern lenken auch in China überwiegend Männer Digitalunternehmen. Eine der schillerndsten Ausnahmen ist Jean Liu (Liu Qing, Jahrgang 1978). Sie leitet Didi Chuxing aus Beijing, verdrängte den Rivalen Uber erfolgreich aus China und hält bereits Anteile an Fahrdiensten in Dubai, Indien, Brasilien, den USA und Europa [2]. Wie immer mehr chinesische Top-Manager studierte sie im Ausland, spricht hervorragend Englisch und ist mit westlichen Werten viel vertrauter als westliche Konzernlenker mit Chinas Kultur. Als Tochter des Lenovo-Gründers Liu Chuanzhi stammt sie daneben aus einer einflussreichen Familie. Der Hong Konger Computerhersteller Lenovo übernahm große Teile von IBM bereits zu einer Zeit, als chinesische Hightech-Akquisitionen in den USA und Europa noch selten waren. Mit dem hiesigen Bekanntheitsgrad der Facebook-Geschäftsführerin und Bestseller-Autorin Sheryl Sandbergs kann Jean Liu in Asien locker mithalten.

Perspektiven chinesischer Digitalunternehmen

China ist für ausländische Anbieter kulturell und regulatorisch ein extrem schwieriger Markt. Umgekehrt fällt es chinesischen Firmen leichter, von den stark umkämpften Inlandsmärkten nach Asien und die Welt zu expandieren [3]. Die Regierung fördert daneben den Hightech-Zukauf im Ausland mit der Strategie „Made in China 2025“ [4]. Bis 2049, dem 100. Geburtsjahr der Volksrepublik, will China wirtschaftlich ganz oben stehen. Allerdings beginnen die USA und viele EU-Staaten, der Übernahme von Schlüsseltechnologien einen Riegel vorzuschieben. Die chinesische Wirtschaft muss daher von innen heraus innovativer werden. Der Verzicht auf Menschenrechte und Datenschutz nach westlichen Standards fördert dabei die heimische Entwicklung und Produktion. Beim Export bzw. ausländischen Direktinvestitionen ergeben sich jedoch Probleme. Denn sie müssen zumindest im (noch) reichen Westen höhere rechtliche und ethische Standards erfüllen.

[1] Inspiriert wurde dieser Beitrag stark durch (Hirn, 2018). Konkrete Angaben wie Firmensitz, Namen der Führung oder deren Geburtsjahr stammen von den jeweiligen englisch-sprachigen Internetseiten der Unternehmen.

[2] Vgl. Hirn, a.a.O., S. 206 f.

[3] Vgl. Hirn, a.a.O., S. 77.

[4] Vgl. Hirn, a.a.O., S. 97.

Literatur

Hirn, W., Chinas Bosse: Unsere unbekannten Konkurrenten, [Place of publication not identified] 2018.

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