CO2 mit Marktanreizen speichern


Britta Kuhn

Julius Kesslers Bachelor-Thesis analysiert Arbil Coins der FDP[1]

Alle reden von CO2Vermeidung. Die Pariser Klimabeschlüsse fordern aber auch CO2Speicherung.[2] Dazu machte die liberale Bundestagsfraktion 2019 einen neuartigen Vorschlag. Aber bringt er etwas?

CO2-Speicherung wird digitales Geld[3]

Der FDP-Vorschlag will jede Tonne gebundenes CO2 mit einem „Arbil Coin“ belohnen. Diese neue Kryptowährung könnte in ein Zertifikat des EU-Emissionshandels getauscht und damit auch zu „echtem“ Geld gemacht werden. Ein Arbil Coin wäre also so teuer oder billig wie das Recht, in der EU eine Tonne CO2 auszustoßen. Europäische Verschmutzungsrechte könnten folglich mit herkömmlicher Währung oder mit digitalen Arbil Coins gekauft werden.

Bisher haben Unternehmen nur den Anreiz, in umweltschonende Technologien zu investieren, die CO2 vermeiden. Künftig würden sie außerdem dafür belohnt, CO2 zu speichern. Arbil Coins würden unter Aufsicht eines privaten Vereins geschürft. Langfristig könnten sie den EU-Emissionshandel vollständig ersetzen.

Was bringt der FDP-Vorschlag?

Die Thesis vertieft erstens, wie sich CO2 bisher speichern lässt: Einerseits durch Filterung mittels „Direct Air Capture-Technologie“, andererseits durch Aufforstung. Sie zeigt, dass beides aktuell nicht annähernd so viel CO2 binden kann wie die bekannte Alternative der CO2-Vermeidung.[4] Zweitens müssten die Kosten der Filterung und Aufforstung unter den Preisen der EU-Verschmutzungsrechte liegen, da ansonsten kein Anreiz für entsprechende Investitionen entstünde. Bisher liegen diese Kosten aber weit darüber.[5] Drittens müsste das System sicher und frei von Missbrauch funktionieren. Zwar hätten die kontrollierenden Umwelt- und Klimaschutzverbände jeden Anreiz, diese Ziele zu erreichen. Dennoch gäbe es noch viele technische Hürden, vor allem fehlende Speicherstätten.[6] Viertens würde der liberale Vorschlag erst dann richtig funktionieren, wenn zahlreiche CO2-Handelssysteme mit den Arbil Coins verbunden würden, es im Idealfall einen global integrierten Emissionshandel gäbe. Davon ist die Welt noch weit entfernt. Weitere politische Hürden liegen unter anderem darin, dass die FDP in der Opposition sitzt, von den anderen Parteien wenig Unterstützung für ihren Vorschlag erhielt und dieser so gut wie kein Medienecho erfuhr.[7]

Fazit

Die Abschlussarbeit verdeutlicht die ökologische, wirtschaftliche und politische Dimension eines innovativen Vorschlags, der in der allgemeinen Klimadebatte leider ziemlich untergegangen ist. Allerdings zeigt die Analyse auch, dass es noch erheblichen technischen Fortschritt und wesentlich höhere CO2-Verschmutzungspreise braucht, um Arbil Coins attraktiv zu machen. Ganz zu schweigen von politisch-ideologischen Barrieren, die eine Klimapolitik mit Marktmechanismen erschweren.


Quellen:

[1] Julius Kessler, „ARBIL COINS – eine kritische Analyse“, Bachelor Thesis, Wiesbaden Business School der Hochschule RheinMain, 15.8.2020.

[2] Im Detail: Julius Kessler, a.a.O., „Einleitung“, S. 3 ff., v.a. S. 4.

[3] Im Detail: Julius Kessler, a.a.O., „Klimamodell ARBIL“, S. 5 ff.

[4] Im Detail: Julius Kessler, a.a.O., „Ökologische Wirksamkeit“, S. 10 f.

[5] Im Detail: Julius Kessler, a.a.O., „Wirtschaftlicher Anreizeffekt“, S. 12 ff.

[6] Im Detail: Julius Kessler, a.a.O., „Sicherheit und Kontrolle des Systems“, S. 14 ff.

[7] Im Detail: Julius Kessler, a.a.O., „Neuartigkeit“ und „Politische Umsetzbarkeit“, S. 17 ff.

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