Britta Kuhn
Julian Joel Daubs Bachelor-Thesis analysiert, was die EU von den Strategien der drei Länder lernen kann[1]
Um ein De-Risking von China bei wichtigen Rohstoffen zu erreichen, setzt Japan stärker als die EU auf Recycling, Südkorea auf Rohstoffpartnerschaften und die USA auf Minenbeteiligung und umfassende Lagerhaltung.
Ein Problem – viele Lösungsansätze[2]
Kritische Rohstoffe sind Materialien, die z.B. für Elektrofahrzeuge, Windkraftanlagen, die Raumfahrt und die Verteidigungsindustrie benötigt werden. Eine strategische Teilmenge davon unterliegt besonders hohen Versorgungsrisiken. Die Europäische Union bezieht z.B. 100 % ihrer schweren seltenen Erden aus China. Sie will daher unabhängiger von der Volksrepublik und weiteren Drittländern werden. Japan, Südkorea und den USA geht es ähnlich. Die drei Länder setzen dabei teilweise andere Schwerpunkte als die EU, die sich möglicherweise auch für Europa eignen würden.
Recycling in Japan[3]
Japan gewinnt seit fast 20 Jahren kritische Rohstoffe aus Abfall, dem sogenannten Urban Mining. Das Land gilt beim Recycling von Elektroschrott als führend, importiert diesen sogar aus Europa und erreicht im Vergleich zur EU sehr hohe Rückgewinnungsquoten – z.B. 93% bei Haushaltsgeräten wie Trocknern. Die EU könnte daher konsequentes Recycling von Japan lernen. Sie müsste z.B. intensiv Elektroschrott sammeln, dessen Export wirksam beschränken und ein EU-weites Pfandsystem für Elektrogeräte einführen. Die EU sollte zudem gezielt in Forschung und Entwicklung innovativer Recyclingtechnologien investieren und entsprechende Unternehmen innerhalb der EU fördern, um langfristig Recyclingquoten auf dem Niveau Japans zu erreichen.
Rohstoffpartnerschaften in Südkorea[4]
Südkorea unterhält Rohstoffpartnerschaften, darunter mit Australien, Indonesien, Vietnam, Äthiopien und Tansania, die auch Fördermittel und Investitionsprogramme umfassen. Unter Beteiligung südkoreanische Unternehmen verbessern die Abkommen z.B. die Versorgungsinfrastruktur afrikanischer Staaten. Gegenseitige Abhängigkeiten fördern daneben die Stabilität der Partnerschaften. Auch die EU könnte ihre Rohstoffvereinbarungen durch konkrete Infrastrukturmaßnahmen stärken, deren Aufbau europäische Unternehmen in den Partnerländern unterstützen würden. Ergänzend dazu sollte die EU ihr Netzwerk an Rohstoffpartnerschaften kontinuierlich ausbauen, um ihre strategische Autonomie und Versorgungssicherheit zu erhöhen.
Minenbeteiligung und Rohstofflager in den USA[5]
Das US-Verteidigungsministerium hält zum einen Anteile an MP Materials. Das Unternehmen betreibt die wichtigste Mine für seltene Erden in den USA. Zum anderen existiert zur Rohstoffbevorratung seit Februar 2026 das Project Vault. Es soll in den USA Lager für 60 kritische Rohstoffe aufbauen. Privatunternehmen und staatliche Institutionen arbeiten hierbei zusammen und finanzieren das Projekt auch gemeinsam. Die gelagerten Rohstoffe sollen langfristig aus möglichst vielen Bezugsquellen stammen. Unternehmen bezahlen eine Gebühr dafür, im Krisenfall auf die Reserven zugreifen zu dürfen. Dabei ist die abrufbare Menge jährlich begrenzt und die Unternehmen müssen sie nach der Krise wieder auffüllen. Für die EU könnten darüber hinaus dezentrale Rohstofflager interessant sein. Hierbei würden die Mitgliedstaaten unterschiedliche Mineralien vorhalten und im Ernstfall über definierte Notfallrouten verteilen. Hinsichtlich der Kostenverteilung schlägt der Verfasser eine Orientierung an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Mitgliedsstaaten vor, etwa anhand ihres Bruttoinlandsprodukts. Gleichzeitig ist dieses Instrument nach seiner Auffassung als reines Notfallsystem einzuordnen, dessen Nutzen auf die kurzfristige Abfederung temporärer Versorgungsengpässe beschränkt bleibt.
Fazit
Die Abschlussarbeit stellt vor, mit welchen wesentlichen Maßnahmen Japan, Südkorea und die USA ihre Versorgung mit kritischen Rohstoffen sicherstellen wollen. Sie vertieft, was die Europäische Union vor allem von diesen drei Ländern lernen könnte: Von Japan erfolgreiches Recycling, von Südkorea effektive Rohstoffpartnerschaften und von den USA umfassende Reservehaltung, die nach Ansicht des Verfassers ergänzend in Betracht gezogen werden sollten.
Quellen:
[1] Julian Joel Daub, Versorgungssicherheit bei kritischen Rohstoffen: Was kann die EU von Japan, Südkorea und den USA lernen?, Bachelor Thesis, Wiesbaden Business School der Hochschule RheinMain, 27.03.2026.
[2] Im Detail: Julian Joel Daub, a.a.O., Kap. 1, S. 1-2, Abschnitte 2.1-2.2, S. 3-4 und Tabelle 1 bis 5 im Anhang.
[3] Im Detail: Julian Joel Daub, a.a.O., Kap. 3, S. 6-10.
[4] Im Detail: Julian Joel Daub, a.a.O., Kap. 4, S. 11-14.
[5] Im Detail: Julian Joel Daub, a.a.O., Kap. 5, S. 14-18.