Web 2.0: viel Potenzial für Ältere!


Prof. Dr. Britta Kuhn
Bachelor-Thesis von Kai Espenschied[1]

Der Autor ist mit dem Internet aufgewachsen. Seine Großeltern nicht. Dabei wäre ihr Nutzen aus dem Web 2.0, also dem interaktiven und multimedialen Internet, für sie mindestens so groß wie für ihn, wenn nicht größer. Denn die Großeltern leben auf dem Land, sind längst pensioniert, lernen mangels Mobilität nur noch wenige Menschen kennen und müssen in ihrem Bekanntenkreis zunehmend Sterbefälle verkraften.

Die Abschlussarbeit erläutert kurz die Besonderheiten des Web 2.0 und der deutschen Altersstruktur, quantifiziert die aktuelle Internetnutzung durch ältere Menschen und zeigt anschließend anhand zahlreicher Beispiele, welche enormen Vorteile die webbasierte Kommunikation insbesondere im Ruhestand bietet und böte.

Qualitatives Wachstum für eine Mehrheit der Älteren – und Jüngeren

Wann ist der Mensch alt? In Deutschland ab 50, denn die werberelevante Zielgruppe endet bei den 49-Jährigen. Und ist die Generation 50+ tatsächlich weniger im Netz unterwegs? Ja, zeigt die Thesis im Detail[2], allerdings vor allem die nicht (mehr) Berufstätigen.

Dabei hätte gerade diese Bevölkerungsgruppe den größten privaten Nutzen von und viel Zeit für digitale Kommunikation aller Art. Warum also die Zurückhaltung? Weil drei von vier Befragten schlicht niemanden haben, der ihnen den Umgang mit dem Internet erklärt[3]. Espenschied verdeutlicht deshalb, wie dieses Grundproblem zu überwinden wäre: Vor allem durch Internet-Patenschaften wie im bereits erfolgreich abgeschlossenen Projekt des Bundeswirtschaftsministeriums „Gemeinsam durchs Netz“[4]. Ehrenamtliche würden ihr technisches Wissen weitergeben, im Gegenzug profitierten die neuen Nutzer von den vielfältigen Vorteilen des Web 2.0 und würden ganz nebenbei ihre schier unendliche Lebenserfahrung einem breiten Publikum zur Verfügung stellen – ein Gewinn für Alt und Jung.

Web-Vorteile im Alter

Herr Espenschied konzentriert sich auf vier Bereiche, die durch das Internet einfacher würden: Immobilität, Mitteilungsbedürfnisse, Kontaktpflege und Partnersuche. Je mehr Tätigkeiten ältere Menschen von zuhause aus erledigen können, desto weniger werden sie trotz Immobilität vom Rest der Welt isoliert. Je mehr Freizeitaktivitäten und Leidenschaften sie im Netz teilen, desto aktiver bleiben sie, was bekanntlich den Alterungsprozess verlangsamt. Je intensiver sie mit Freunden und Verwandten vernetzt sind, desto weniger vereinsamen sie. Und da schließlich über 50 Prozent der Singles in Deutschland 50 Jahre oder älter sind[5], könnten die allseits boomenden digitalen Partnervermittlungen vor allem in diesem Alterssegment enorme Wachstumsraten realisieren. Damit „Senioren noch einmal die große Liebe ihres Lebens finden“[6].


 


Quellen:

[1] Kai Espenschied, „Die Nutzung des Web 2.0 durch ältere Generationen“, Bachelor Thesis, Wiesbaden Business School der Hochschule RheinMain, 09.03.2012.

[2] Kai Espenschied, a.a.O., S. 6-7.

[3] Frank Wagner et al. (Hrsg.), „Die Alten und das Netz – Angebote und Nutzung jenseits des Jugendkults. Wiesbaden 2012, S. 79. Zitiert nach Kai Espenschied, a.a.O., S. 18.

[4] Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, „Gemeinsam durchs Netz – Internet-Patenschaft: So geht’s!“ Berlin, November 2011. Zitiert nach Kai Espenschied, a.a.O., S. 16-18.

[5] Online-Partnersuche.de, Marcel Kollmar et al., „Online-Dating 2011: Eine Boom-Branche wird erwachsen“. September 2011, Abbildung 7, S. 12. Zitiert nach Kai Espenschied, a.a.O., S. 13, Abbildung 1.

[6] Kai Espenschied, a.a.O., S. 15.

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