BESSERE GESUNDHEIT STEIGERT DEN WOHLSTAND

Prof. Dr. Britta Kuhn

Bachelor-Thesis von Marius Reimlinger[1]

Welche Rolle spielt das Gesundheitssystem für das gesellschaftliche Wohlergehen? Wie kann der Staat die Anreize für Unternehmen, Krankenversicherungen und Privatpersonen verbessern, damit Gesundheitsmaßnahmen nicht mehr vornehmlich als Kostentreiber, sondern als langfristiger Wachstumsgarant gesehen werden? Die Abschlussarbeit erarbeitet hierzu konkrete und leicht umsetzbare Vorschläge auf den Gebieten „Prävention“ und „Ambient Assisted Living“.

Gesundheit stärkt Wohlstand und Wachstum

Die Produktivität eines Landes hängt maßgeblich vom Produktionsfaktor „Humankapital“ ab. Der Autor verdeutlicht, dass das Humankapital angeborene und erlernte physische, psychische und intellektuelle Kapazitäten eines Menschen umfasst [2]. Gesundheit sei dabei ein maßgeblicher Faktor: Sie steigere die individuelle Leistungsfähigkeit und das Wohlergehen unmittelbar und erhöhe in der Folge auf der Makroebene den materiellen Wohlstand einer Gesellschaft. Hiervon profitiere auch der Fiskus [3]. Wichtig sei auch die Beschäftigungswirkung des Gesundheitssektors. Die Gesundheitswirtschaft stelle keineswegs nur einen aktuellen Kostenfaktor dar, sondern eine der wichtigsten langfristigen Zukunftsbranchen [4]. Reimlinger schlägt innovative Maßnahmen für zwei Bereiche vor, die das Gesundheitssystem künftig finanziell entlasten und somit dessen Leistungsfähigkeit zum Wohle aller erhalten oder gar nachhaltig verbessern könnte: Einerseits mehr Anreize für Prävention, andererseits technische Betreuungssysteme zur Alltagsbewältigung pflegebedürftiger Menschen, so genannte „Ambient Assisted Living“- oder AAL-Technologien.

Gesundheitliche Prävention intensiver fördern[5]

Unternehmen könnten zusätzliche Steuererleichterungen für gesundheitsfördernde Maßnahmen und zweckgebundene Zuschüsse für bestimmte Gesundheitsinvestitionen erhalten. Betriebsinterne Gesundheitsindikatoren ließen sich an staatlich unterstützte Bonussysteme knüpfen, die Vorteile für besonders gesundheitsbewusste Beschäftigte bereithielten, zum Beispiel zusätzliche Urlaubstage. Die gesetzlichen Krankenversicherungen könnten eine individualisierte gesundheitliche Aufklärung und Beratung durch Fachpersonal anbieten, also ein differenziertes Gesundheits-Coaching. Gesundheits- bildung und -bewusstsein in der Gesellschaft stiegen dadurch, gleichzeitig sänken über ein Bonussystem in Anlehnung an die Zahnpflege möglicherweise die langfristigen Krankheitskosten. Schließlich könnten Privatpersonen finanzielle Zuschüsse für ergänzende private Gesundheitsver- sicherungen erhalten oder aber vergünstigte Kredite für Vor- und Fürsorgemaßnahmen.

„Ambient Assisted Living“ ausbauen[6]

Um möglichst vielen pflegebedürftigen Menschen ein Leben in den eigenen vier Wänden zu erhalten und gleichzeitig die Pflegekosten langfristig zu begrenzen, befürwortet die Thesis eine staatliche Unterstützung neuer AAL-Technologien analog zu den Förderprogrammen für regenerative Energien, ganz besonders zu Beginn der Wertschöpfungskette. Vor allem im F&E-Stadium sollten außerdem mögliche Bedarfsgruppen eingebunden werden, um die Benutzerfreundlichkeit der Systeme zu erhöhen und verstärkt auf erschwingliche Preise hinzuwirken. Private Finanziers wie Erwerbstätige, Pflegebedürftige und deren Angehörige, Bauträger, stationäre Einrichtungen und AAL-Herstellerunternehmen ließen sich durch Abschreibungsvergünstigungen und andere Investitionsanreize anlocken. Zudem könnte eine Art bundesweiter Forschungswettbewerb die Entwicklung attraktiver Wohnsiedlungen mit integrierten AAL-Technologien beschleunigen.


Quellen:

[1] Marius Reimlinger, „Wie definiert sich der Wohlstand einer Gesellschaft“, Bachelor Thesis, Wiesbaden Business School der Hochschule RheinMain, 22.08.2012.

[2] Endre Kamaras, „Humankapital. Grund des Wachstums?“ Marburg 2003, S. 13. Zitiert nach Marius Reimlinger, a.a.O., S. 9.

[3] Klaus-Dirk Henke et al., „Volkswirtschaftliche Bedeutung der Gesundheitswirtschaft. Innovationen, Branchenverflechtungen, Arbeitsmarkt“. Baden-Baden 2011, S. 37. Zitiert nach Marius Reimlinger, a.a.O., S. 9.

[4] Klaus-Dirk Henke et al., a.a.O. sowie Leo A. Nefiodow et al., „Gesundheitswirtschaft – Wachstumsmotor des 21. Jahrhundert“. Wiesbaden 2011, S. 25. Zitiert nach Marius Reimlinger, a.a.O., S. 10.

[5] Marius Reimlinger, a.a.O., S. 13-16.

[6] Marius Reimlinger, a.a.O., S. 17-19.

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