REGENWÄLDER: RODUNG DURCH STÄRKERE KOOPERATION STOPPEN

Britta Kuhn

Bachelor-Thesis von Julia Peretzke benennt die ökonomischen Folgen gerodeter Regenwälder und analysiert Reaktionsmöglichkeiten[1]

Allein in den Jahren 2000 bis 2010 gingen weltweit trotz umfangreicher Aufforstungsmaßnahmen über 5 Mio. Hektar Waldfläche verloren, davon allein rund 2,7 Mio. Hektar in Brasilien[2]. Die Abschlussarbeit verdeutlicht, welche ökonomischen Folgen die Rodung für Industrie- und Schwellenländer nach sich zieht, wie bisher darauf reagiert wurde und welche Umsetzungsprobleme noch zu lösen wären.

Typische Folgen der Rodung

Die tropischen Regenwälder nützen insbesondere dem weltweiten Klima und der Artenvielfalt. Sie werden vor allem zugunsten von Konsumenten in Industrieländern abgeholzt, nach Schätzungen des World Wide Fund for Nature WWF zu schätzungsweise 20-40% illegal. Aufforstungsprogramme können die natürlichen Regenwälder nicht ersetzen[3]. Aus dem Klimawandel folgen extremere Wetterereignisse. So verursachte allein Hurrikan Katrina im Jahr 2005 in den USA einen Schaden von 125 Mrd. USD und am Beispiel Haiti zeigt Peretzke den Teufelskreis aus Entwaldung, Verlust landwirtschaftlicher Fläche und daraus folgender weiterer Rodung auf. Auch die geringere Biodiversität beeinträchtigt die wirtschaftliche Entwicklung der Industrie- und Schwellenländer: Allein der Handel mit Medikamenten pflanzlicher Herkunft wird auf jährlich 500 Mrd. USD geschätzt[4].

Wichtige Reaktionen zur Senkung der Rodung

Industrieländer bekämpfen die Abholzung erstens durch internationale Gütesiegel für nachhaltig geschlagenes Holz. Dadurch soll die Nachfrage nach nicht nachhaltiger Ware sinken. Zweitens arbeiten sie in verschiedenen internationalen Projekten vor Ort daran mit, die Primärwälder zu erhalten und durch technische bzw. finanzielle Unterstützung ein nachhaltiges Waldmanagement zu fördern. Schließlich beteiligen sie sich finanziell über erste Programme am Umweltschutz bzw. leisten Ausgleichszahlungen oder Schuldenerlasse für die mit Umweltschutz verbundenen „entgangenen Entwicklungsmöglichkeiten“ an arme Länder[5]. Den Schwellenländern wird geraten, Einkommensmöglichkeiten außerhalb der Landwirtschaft zu schaffen, die Landwirtschaft selber wirtschaftlicher zu organisieren, ein exportorientiertes Entwicklungsmodell voranzutreiben und Besitzansprüche zu klären[6].

Zu lösende Umsetzungsprobleme

Die Thesis zeigt, dass zahlreiche Hilfsprogramme lückenhaft umgesetzt werden. So krankt z.B. der FLEGT-Aktionsplan der Europäischen Union zum Kampf gegen illegalen Holzeinschlag daran, dass Länder wie China nur unzureichend kooperieren. In den Schwellenländern selbst fehlt es darüber hinaus häufig an Wissen und Kapazitäten, um komplexe Pläne zu verwirklichen. Auch kann die Exportförderung dem Umweltschutz zuwider laufen. Ebenfalls unerwünschte Anreize entstehen, wenn technischer Fortschritt in der Landwirtschaft von der Eigenversorgung zur kommerziellen Bewirtschaftung führt und damit die Rodung erhöht, anstatt sie zu senken[7]. Es bedarf daher einer viel intensiveren Zusammenarbeit der Industrie- und Schwellenländer, um künftige Generationen und die ärmere Bevölkerung in den von Rodung betroffenen Regionen besser zu schützen. Schnelles Handeln sei hier unerlässlich, so Peretzke[8].

 


Quellen:

[1] Julia Peretzke, „Die Rodung der Regenwälder: Ökonomische Folgen und Reaktionsmöglichkeiten in Industrie und Schwellenländern“, Bachelor Thesis, Wiesbaden Business School der Hochschule RheinMain, 13.3.2014.

[2] Julia Peretzke, a.a.O., Anhang 2 und 4, S. II und IV.

[3] Julia Peretzke, a.a.O., Kapitel 2.

[4] Julia Peretzke, a.a.O., Kapitel 3.

[5] Julia Peretzke, a.a.O., Kapitel 4.1, Zitat S. 11.

[6] Julia Peretzke, a.a.O., Kapitel 4.2.

[7] Julia Peretzke, a.a.O., Kapitel 5.

[8] Julia Peretzke, a.a.O., Kapitel 6.

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