YUAN STATT US-DOLLAR ALS LEITWÄHRUNG?


Britta Kuhn

Martin Turners Bachelor-Thesis analysiert Chinas Währungspotenzial[1]

Vor fast 14 Jahren erklärte mir ein Student: „Bald wird Öl nicht mehr in US-Dollar, sondern in Euro gehandelt!“ Würde er heute „Euro“ durch „Yuan Renminbi“ ersetzen?


Kriterien einer globalen Leitwährung

Was ist Geld? Diese Frage motiviert vor allem Geisteswissenschaftler zu umfangreichen Betrachtungen[2]. Es gibt aber auch eine ganz einfache Antwort: Alles, was als Tauschmittel, Recheneinheit und Wertaufbewahrungsmittel akzeptiert wird, ist Geld[3]. Der Simbabwe-Dollar erfüllte diese drei Bedingungen nicht, weshalb er schließlich abgeschafft wurde. Wodka erfüllt sie in einigen Märkten bzw. Weltregionen sehr wohl.

Für eine Weltwährung gilt nichts anderes: Sie muss ein herausragendes internationales Transaktionsmedium sein, als Anker fungieren und weltweit als Reserve dienen. Turners Abschlussarbeit verdeutlicht, dass jahrzehntelang nur der US-Dollar (USD) alle drei Kriterien erfüllte[4]: Grenzüberschreitende Geschäfte wurden überwiegend in Greenback fakturiert. Viele kleinere Volkswirtschaften richteten ihre Geldpolitik am Dollar aus, um dadurch Wechselkursstabilität zu erreichen. Schließlich akkumulierte insbesondere Südostasien seit der Krise von 1997 umfangreiche Reserven der nordamerikanischen Währung.

Erfüllt Chinas Wirtschaftspolitik die Voraussetzungen?

Ökonomen diskutieren die USD-Führungsrolle insbesondere seit der Finanzkrise zunehmend kritisch und kontrovers[5]. Denn obwohl diese Krise von den USA ausging, wurde ihre Währung darin zum „sicheren Hafen“. Auch verlieren die USA gegenüber China kontinuierlich an ökonomischem Gewicht und damit an Macht: Gemessen in Kaufkraftparitäten übersteigt der chinesische Anteil am weltweiten Bruttoinlandsprodukt inzwischen den US-Anteil[6]. Allerdings existieren in China noch zahlreiche realwirtschaftliche Barrieren und auch die Kapitalmärkte werden nur zögerlich liberalisiert. Trotz aller Probleme der US-Wirtschaft – genannt seien nur Staatsverschuldung und Leistungsbilanzdefizit – steht China also vor viel größeren Herausforderungen, z.B. hinsichtlich instabiler Arbeitsmärkte, sozialer Ungleichgewichte, Umweltverschmutzung, monetär verursachter Spekulationsblasen und politischer Repressalien[7]. Allerdings wird der Yuan Renminbi (RMB) eine wachsende internationale Rolle spielen. Sein Anteil an internationalen Zahlungen stieg innerhalb von drei Jahren von 0,8 auf 2,8 Prozent und überrundete damit im August 2015 sogar erstmals den japanischen Yen[8]. Der Internationale Währungsfonds integriert ihn darüber hinaus ab Oktober 2016 in den Währungskorb, der seinen Sonderziehungsrechten unterliegt. Dabei handelt es sich um eine künstliche Recheneinheit, die bisher auf US-Dollar, Euro, britischem Pfund und Yen beruht[9].

Fazit und Ausblick

Die Bachelor-Thesis erteilt dem Yuan Renminbi als globale Leitwährung fürs Erste eine klare Absage[10]. Tatsächlich wird es mangels Alternativen vorerst beim US-Dollar bleiben. Es sei denn, die Befürworter von Bitcoins, Gold, oder internationalen Kunst- bzw. Korbwährungen setzen sich wider Erwarten durch. Aber bis dahin könnte sich auch China zu einer demokratischen Marktwirtschaft gewandelt haben. Für die Stabilität der Weltwirtschaft wäre es in jedem Fall gut, die Abhängigkeit vom US-Dollar zu reduzieren.

Quellen:

[1] Martin Turner, „Welt-Leitwährung Yuan Renminbi? Eine kritische Analyse“, Bachelor Thesis, Wiesbaden Business School der Hochschule RheinMain, 14.9.2015.

[2] Z.B. jüngst Hans Magnus Enzensberger, „Immer das Geld“, Berlin 2015. Unter Ökonomen neueren Datums siehe z.B. Thomas Mayer, „Die neue Ordnung des Geldes. Warum wir eine Geldreform brauchen“, München 2014; siehe auch Buchbesprechung vom 6.2.2015 auf diesem Blog.

[3] Vgl. Standard-Lehrbücher der VWL wie z.B. Mankiw/Taylor, „Grundzüge der Volkswirtschaftslehre“, Stuttgart 2012 (5. Auflage), Kap. 29.

[4] Ausführlich: Martin Turner, a.a.O., Abschnitt 2.4-2.5.

[5] Z.B. Barry Eichengreen, „Das Ende des Dollar-Privilegs: Aufstieg und Fall des Dollars und die Zukunft der Weltwirtschaft“, Kulmbach 2012 (US-Original 2011: „Exorbitant Privilege“); Eswar S. Prasad, „The Dollar Trap: How the U.S. Dollar Tightened Its Grip on Global Finance“, Princeton University Press 2014.

[6] Details: International Monetary Fund, “World Economic Outlook database”, October 2014, Gross domestic product based on purchasing-power-parity (PPP) share of world total (2014: China 16,5%, USA 16,3%; 2015: China 17,0%, USA 16,2%), https://www.imf.org/external/pubs/ft/weo/2014/02/weodata/download.aspx (Zugriff: 23.10.2015).

[7] Ausführlich: Martin Turner, a.a.O., Kap. 3-4.

[8] August 2015: Yuan 2,79%, Yen 2,76%, USD 44,8%, Euro 27,2%, GBP 8,5%, Sonstige 13,9%. Quellen: Commerzbank/Swift, zitiert nach Elisabeth Atzler und Stephan Scheuer, “Der Aufstieg des Yuan”, Handelsblatt vom 7.10.2015, S. 32.

[9] International Monetary Fund, “IMF’s Executive Board Completes Review of SDR Basket, Includes Chinese Renminbi”, Press Release No. 15/540, 30.11.2015, https://www.imf.org/external/np/sec/pr/2015/pr15540.htm (Zugriff 4.12.2015).

[10] Martin Turner, a.a.O., Kap. 5.

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