SLOW FOOD VERBINDET GENUSS UND NACHHALTIGKEIT

Britta Kuhn

Hans Lages Bachelor-Thesis analysiert die Slow Food-Bewegung[1]

Die Gegenbewegung zum Fast Food versucht, Ökologie, Ökonomie und Soziales mit Zeit und Genuss zu verbinden. Gelingt ihr das?


Ziele von „Slow Food“ [2]

Die Non-Profit-Organisation entstand 1989 in Italien, als McDonalds’s im Herzen Roms seine erste -Filiale eröffnen wollte. Seither setzt sie sich für biologische und geschmackliche Vielfalt ein und möchte Nahrungsmittel „nachhaltig“ produzieren, also unter langfristig tragfähigen ökologischen, ökonomischen und sozialen Bedingungen. Gleichzeitig betont sie, wie wichtig Zeit für genussvollen Konsum ist. Nahrungsmittel sollen also nicht nur ökologisch sauber und sozial fair, sondern auch lokal und traditionell erzeugt sein sowie geschmackvoll munden. So kommen beispielsweise Treibhaustomaten, hochgezüchtete Hybride, Monokulturen, Milchpreise unterhalb der Erzeugerkosten oder industriell vorgefertigte Lebensmittel in diesem Konzept nicht vor.

Typische Slow Food-Projekte[3]

Die Bewegung unterstützt z.B. die Zucht des Limpurger Weideochsen. Er frisst nur Gras bzw. regional angebaute Tiernahrung und bekommt die Zeit, natürlich zu wachsen. In Mexiko bietet Slow Food in Zusammenarbeit mit lokalen Trägern Schutzräume für den Amarant-Anbau. Dieses anspruchslose, den lokalen Bedingungen perfekt angepasste und traditionelle Hauptnahrungsmittel der Ureinwohner war im Zuge des industriellen Massenanbaus verdrängt worden. Es erfüllt jedoch alle Belange nachhaltiger Landwirtschaft, schmeckt außerdem gut und ist gesund. Das Bildungsprojekt „Teller statt Tonne“ kämpft schließlich gegen Lebensmittelverschwendung und die damit verbundene Schadstoffbelastung. Bei Aktionstagen kann jeder beim Zubereiten eines Gratisessens aus Lebensmitteln wie krummen Salatgurken mitwirken, die gar nicht erst in den Handel kommen. Beim entsprechenden Schulprojekt ernten die Kinder Gemüse, das mangels Marktkonformität schon auf dem Bauernhof entsorgt worden wäre. Thesis-Autor Lage sieht allerdings die möglichen sozialen Folgen dieser Aktion für Kleinbauern in Entwicklungsländern mit Sorge. Ihre Wettbewerbsfähigkeit wird schon heute mit – oft sogar subventionierten – Nahrungsmitteln aus Industriestaaten untergraben.

Fazit

Slow Food vereinbart genussvollen und nachhaltigen Konsum. Mehr Gewicht dieser Produktions- und Konsumweise wären wünschenswert. So sagt auch Vorzeige-Köchin Sarah Wiener: „Die erste Bürger- und Bürgerinnenpflicht und die erste revolutionäre Handlung ist heutzutage, seinen Kindern Kochen beizubringen.“[4]. Wenn dafür mal nur nicht die (endlich finanziell eigenständige!) Mutter an den Herd zurückkehrt…


Quellen:

[1] Hans Lage, „‘Hedonistische Nachhaltigkeit‘ am Beispiel der ‚Slow Food‘-Bewegung: Eine kritische Analyse“, Bachelor Thesis, Wiesbaden Business School der Hochschule RheinMain, 31.8.2015.

[2] Details: Hans Lage, a.a.O., Kapitel 1 und 2.

[3] Details: Hans Lage, a.a.O., Kapitel 3.

[4] Chantal Louis, „Sarah Wiener – Richtig essen? Wie ich lebe.“, Emma, Sept./Okt. 2015, S. 24-30, hier S. 28.

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