WIRD SAUDI-ARABIEN DAS NEUE DUBAI?


Britta Kuhn

Ekaterina Magadeevas Bachelor Thesis bewertet die Agenda 2030[1]

Der saudische Kronprinz plant eine enorme wirtschaftliche Transformation. Er will sein Land von den Öleinnahmen unabhängig machen. Wird ihm das gelingen?

Die Agenda 2030

Traditionell bezieht Saudi-Arabien 90% seiner Staatsausgaben aus Ölexporten. Angesichts fallender Ölpreise und einer schnell wachsenden Bevölkerung soll sich die Wirtschaft diversifizieren. Deshalb präsentierte Kronprinz Muhammad Bin Salman im April 2016 die „Vision 2030“.[2] Konkret plant das Königreich unter anderem, den internationalen religiösen Tourismus nach Saudi-Arabien anzukurbeln. Daneben entwickelt das Land eine umfangreiche Unterhaltungsindustrie mit mehreren Themenparks. Auch sollen zahlreiche Infrastrukturmaßnahmen die Einbindung in den Welthandel verbessern – zu Land durch wegweisende Eisenbahn- und Straßenbauprojekte, aber auch im See- und Luftverkehr. Weiterhin will der Wüstenstaat neben Öl und Gas die Förderung weiterer Bodenschätze ausbauen und die städtische Infrastruktur modernisieren. Schließlich sollen die Importe zugunsten lokaler Produktion drastisch zurückgehen – etwa bei militärischen Geräten, Autos und dem Binnentourismus.[3]

Wie realistisch sind die Pläne?

Saudi-Arabien liegt zwar geografisch extrem günstig zwischen Asien, Europa und Afrika. Noch bremst allerdings ein erzkonservatives Gesellschaftssystem die wirtschaftliche Öffnung: So steht z.B. die Todesstrafe auf „Hexerei“. Theater, Kinos und Konzerte sind strikt verboten.[4] Die wirtschaftliche Diversifizierung weg vom Öl erscheint einerseits alternativlos. Andererseits müsste sich die saudische Staatsreligion ändern. Bisher dominiert der Wahabismus, eine fundamentalistische Richtung des Islam, die Gesellschaft. Das bedeutet insbesondere für Frauen erhebliche Einschränkungen. Deren Arbeitskraft wird aber für die breitere wirtschaftliche Ausrichtung benötigt. Die Thesis schlussfolgert insofern, dass eine Realisierung der Agenda 2030 innerhalb der nächsten 13 Jahre sehr ehrgeizig erscheint, aber ihre Umsetzung binnen 50 Jahren immer noch bemerkenswert wäre.[5]

Ausblick

Als Nächstes plant Muhammad Bin Salman Neom – eine Stadt größer als Hessen, die zwischen Ägypten und Jordanien am Roten Meer liegen und ein Zentrum künstlicher Intelligenz werden soll. Die dafür veranschlagten 500 Mrd. US-Dollar könnten aus der Teilprivatisierung Aramcos stammen. Demnächst sollen bis zu 5% dieses staatlichen Erdölkonzerns an die Börse gehen. Damit könnte Saudi-Arabien geschätzt 100 Mrd. US-Dollar einnehmen. Dass der 32-jährige Kronprinz auch vor gesellschaftlichen Veränderungen nicht zurückschreckt, zeigt das kürzlich aufgehobene Fahrverbot für Frauen. Auch war der Emir Dubais mit einer ähnlich radikalen Modernisierungsstrategie erfolgreich.[6] Allerdings blieb in der Vergangenheit manch ein Großprojekt hinter den Erwartungen zurück: In der King Abdullah Economic City sollen bis 2035 z.B. 2 Mio. Menschen leben. Bisher sind es aber nur rund 7.000, obwohl das Projekt schon 2005 startete.[7] Ungewiss ist auch, wie sich der politische Konflikt zwischen dem überwiegend sunnitischen Saudi-Arabien und dem hauptsächlich schiitischen Iran entwickeln wird. Gelingt der absoluten Monarchie jedoch die sozioökonomische Öffnung, wäre der globalen Wirtschaft und dem Weltfrieden mehr als gedient.[8]

Quellen:

[1] Ekaterina Magadeeva, „Saudi-Arabia: Current Economic Development and Perspectives“, Bachelor Thesis, Wiesbaden Business School der Hochschule RheinMain, 15.9.2017.

[2] Ekaterina Magadeeva, a.a.O., S. 1.

[3] Ekaterina Magadeeva, a.a.O., Kap. 4.

[4] Ekaterina Magadeeva, a.a.O., S. 4-6.

[5] Ekaterina Magadeeva, a.a.O., S. 18-20.

[6] Christoph Ehrhardt, „Eine Megastadt im Wüstensand“, in Frankfurter Allgemeine Wirtschaft vom 2.11.2017, http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/saudi-arabien-plant-megastadt-neom-fuer-500-milliarden-dollar-15271364.html (Abruf 22.11.2017).

[7] Casten Kühntopp, „Fortschrittliche Wüstenstadt vom Reißbrett“, in tagesschau.de vom 30.4.2017, https://www.tagesschau.de/ausland/king-abdullah-economic-city-103.html (Abruf 22.11.2017).

[8] Anmerkungen Kuhn.

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