Swift-Alternative Cips?

Britta Kuhn

China, Russland, Indien und viele weitere finden SWIFTs marktbeherrschende Stellung nicht so gut. Aber was wären Alternativen? Private Kryptowährungen? Digitales Zentralbankgeld? Russlands SPSF? Oder am ehesten Chinas CIPS? Das bespreche ich ausführlich in die bank.[1] Hier die Kurzfassung.

SWIFT versus CIPS

Chinas „Cross-Border Interbank Payments System“ wickelt grenzüberschreitende Zahlungen in Renminbi ab, ist mit anderen wichtigen Abwicklungssystemen vereinbar und wuchs seit seiner Einführung im Oktober 2015 stark. Im Vergleich zu SWIFT ist CIPS aber noch winzig. Die belgische „Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication“ bietet seit 1973 ein technisch standardisiertes Format für Auslandsüberweisungen, rechnet jedoch nicht selbst Zahlungen ab. Ohne dieses automatische Nachrichtensystem lassen sich grenzüberschreitende Geldtransfers heutzutage kaum ausführen. Auch CIPS tauscht Nachrichten größtenteils über SWIFT aus. 

SWIFT unter politischem und technischem Druck

Jahrzehntelang arbeitete SWIFT weitgehend geräuschlos. Seine zunehmende Nutzung als politisches Sanktionsinstrument lässt nicht nur China nach Ersatz suchen. 2014 startet Russland ein eigenes System namens SPFS. Seit 2019 arbeiten die russische, indische und chinesische Regierung gemeinsam daran, grenzüberschreitende Zahlungen ohne SWIFT abwickeln zu können. Selbst Deutschland, Frankreich und Großbritannien wagten 2019 mit INSTEX einen bescheidenen Vorstoß gegen SWIFTs Übermacht – damals aus Unzufriedenheit mit Donald Trumps Iran-Sanktionen. 

In technischer Hinsicht war SWIFT vor fünf Jahrzehnten eine bahnbrechende Innovation. Heute gilt es eher als teuer, langsam, umständlich, intransparent und unsicher. Zumal nicht nur private Fintechs wie RippleNet SWIFTs zentraler Plattform Konkurrenz machen. Auch Notenbanken experimentieren mit Blockchain-basierten Transfermöglichkeiten, beispielsweise China mit Thailand, Hongkong und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ihr „mCBDC Bridge“-Projekt will große Mengen digitalen Zentralbankgeldes (Central Bank Digital Currency) grenzüberschreitend transferieren. 

Was bremst und treibt CIPS?

Um CIPS deutlich auszudehnen, müsste der Renminbi im internationalen Zahlungsverkehr wichtiger werden. Sein bisheriger Anteil erreicht gerade einmal 2,2 Prozent aller SWIFT-Transfers. Das liegt unter anderem an Chinas weitreichenden Kapitalverkehrskontrollen. Bei deren Liberalisierung könnte langfristig der E-Yuan helfen, der sich besser als traditionelle Renminbi-Transaktionen überwachen ließe.[2] CIPS wäre nicht nur für größere Schwellenländer wie Indien oder Russland interessant, sondern auch für kleinere Volkswirtschaften der chinesischen Belt and Road Initiative. Ganz zu schweigen von weiteren Regierungen, Unternehmen und einflussreichen Einzelpersonen, denen die reichen Demokratien fehlende Rechtsstaatlichkeit, Korruption, Terrorfinanzierung, Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen zur Last legen. Insofern erstaunt, wie überschaubar die Reaktionen der USA und ihrer Verbündeten auf CIPS bisher ausfallen. Ratsamer wäre es, sich stärker damit zu beschäftigen und die Teilnahmebedingungen für heimische Banken klar zu regeln.


Quellen:

[1] Britta Kuhn, Clearing-Systeme: Chinas CIPS als ernsthafte Alternative zu SWIFT? die bank 05/2022, S. 14-19.

[2] Details: Vgl. Britta Kuhn, E-Yuan: China führt bald digitales Zentralbankgeld ein. Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen (2022) 75(3) vom 1.2.2022, S. 154-158. Zusammenfassung auf diesem Blog: https://besser-wachsen.com/2022/04/01/china-fuhrt-e-yuan-ein/#more-2218.

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