Britta Kuhn
Nicht nur die allermeisten Ökonomen lehnen die AfD („Alternative für Deutschland“) in ihrer aktuellen Ausrichtung ab. Sondern auch der rechte politische Rand z.B. in Frankreich, Polen und Italien. Warum?
Ablehnungsgründe der Mainstream-Ökonomie
Zugegeben: Die AfD wurde von Ökonomen gegründet, die v.a. den „alternativlosen“ Euro-Rettungskurs der damaligen Bundeskanzlerin Merkel kritisierten. Allerdings scheinen sämtliche dieser Ökonomen die Partei längst verlassen zu haben. Denn die große Mehrheit der Volkswirte kritisiert deren Programm wegen 1. unbezahlbarer Wahlversprechen, 2. wohlstandsvernichtender Haltungen zu Migration, 3. geoökonomischem Vasallentum gegenüber Russland und China, 4. Leugnung wissenschaftlicher Evidenz. Nur eine wissenschaftlich unbedeutende Minderheit, die sich durch Extremmeinungen in z.B. Talkshows profiliert, sieht es anders.
Beispiel unbezahlbare Wahlversprechen: Die AfD will die Renten erhöhen. Tatsächlich herrscht ökonomischer Konsens, dass die Renten sinken und/oder das Renteneintrittsalter steigen müssen. Denn Deutschland verfügt über enorm viele alte, aber immer weniger junge Menschen. Dies gilt insbesondere für die ethnische Abgrenzung „Deutscher“ der AfD.
Beispiel wohlstandsvernichtende Haltungen zu Migration: Würde die ethnische Abgrenzung Deutschlands greifen, müssten – überspitzt formuliert – junge „ethnische Deutsche“ alle naturwissenschaftlich-technischen Spitzentechnologien beherrschen (z.B. als promovierte Ingenieure) und sämtliche Dienstleistungen selbst verrichten (z.B. auch die anstrengende und schlecht bezahlte Altenpflege). Würde die AfD also „ethnische Deutsche“ zwingen, viele Kinder zu bekommen und diese zu Hightech- bzw. Pflegekräften auszubilden? Falls ja: Wie? (Geld hilft bekanntlich wenig und selbst das autoritäre China meidet bisher Zwangsbefruchtungen, obwohl die Bevölkerung nur ein Kind statt der gewünschten drei bekommt.) Und würde sie eine Mauer bauen, damit diese Kinder nicht auswandern? (Willkommen in der DDR.) Oder würde sich das Problem von selbst erledigen, weil das Ausland in Deutschland immer weniger investieren und arbeiten würde, wodurch die alternde deutsche Bevölkerung mangels Wohlstands und Pflege ähnlich früh wie in Russland sterben würde?
Beispiel geoökonomisches Vasallentum: Die AfD will weiterhin russische Energie importieren. Sie schätzt Russland und China als Freunde und wird u.a. von Menschen gewählt, die eine militärisch-finanzielle Unterstützung der Ukraine ablehnen. Damit untergräbt die AfD unsere liberale, rechtsstaatliche Demokratie, auf der unser Wohlstand beruht. (Auch hier gilt: Willkommen in der DDR.)
Beispiel Leugnung wissenschaftlicher Evidenz: Hochrangige AfD-Politiker leugneten den Klimawandel und bemängelten, bei uns werde „Luft“ besteuert. Sie wussten also nicht um naturwissenschaftliche Erkenntnisse – sogar der Unterschied zwischen CO2 und „Luft“ war ihnen unbekannt. Politiker mit derartigen Bildungsdefiziten würden die Übersterblichkeit in den anstehenden Hitzewellen beschleunigen – denn ein „ethnisch bereinigtes“ deutsches Gesundheits- und Pflegesystem wäre schnell mit zahllosen älteren Patienten überfordert, zumal der Klimawandel unter einer „fossilen“ AfD-Regierung noch schneller voranschreiten würde als jetzt.
Ablehnungsgründe der französischen, polnischen und italienischen Rechten
Selbst andere rechtsextreme Parteien in Europa meiden die AfD. Warum? Die französische Rechte lehnt z.B. völkische Definitionen und relativierte NS-Verbrechen der AfD strikt ab. Für Sie ist völlig unerheblich, welche Hautfarbe ein Franzose hat, soweit er sich mit den Werten der französischen Republik identifiziert. Auch haben die Verbrechen der Nationalsozialisten in praktisch jeder französischen Familie tiefe Spuren hinterlassen. Die polnische Rechte fürchtet nichts so sehr wie eine wiedererstarkte deutsch-russische Verbindung. Zu oft wurde ihre Nation von diesen beiden Großmächten zerquetscht. Eine westliche Unterstützung der Ukraine erscheint hier überlebenswichtig. Italiens Rechte hat nicht vergessen, dass die AfD ihrem Land in der Finanzkrise 2009 ff. die Unterstützung versagte. Selbstverständlich wirkt auch hier die Relativierung von NS-Verbrechen wie Gift. Selbst die britische Rechte nimmt der AfD ihre pro-russisch-chinesische statt europäische Haltung übel.
Fazit: Alternative für Russland und DDR 2.0
Die AfD in ihrer heutigen Form würde aus Deutschland eine wiederbelebte DDR machen: Unfrei, arm und Vorhof Russlands bzw. dessen viel mächtigerem chinesischen Verbündeten. Es erscheint daher unerklärlich, wie vaterlandsliebende Deutsche diese Partei wählen können. Bestenfalls aus Unwissen oder als „Denkzettel“ an etablierte Parteien? Dann bleibt zu hoffen, dass die politische Mitte bald tiefgreifende Reformen bewältigt. Und umgekehrt die AfD im bevölkerungsarmen, schon heute völlig überalterten und wirtschaftlich eher unbedeutenden Sachsen-Anhalt beweist, dass mit ihr Wohlstand und Sicherheit noch schneller sinken als in Bundesländern, die „mittig“ regiert werden.