„GLÜCKSÖKONOMIE“ KONKRET

Britta Kuhn

Die Publizistinnen Jensen und Scheub stellen aktuelle Praxisbeispiele für ein besseres Leben vor[1]. Nicht alles ist neu, aber vieles macht neugierig.

Nachahmenswerte Initiativen…

Die Autorinnen wollen das „herrschende System kreativ durchwuchern, nicht frontal bekämpfen“[2]. Deshalb stellen sie zahlreiche Initiativen vor, die zum Denken und Nachahmen anregen. Beispiel Genossenschaften: Die Spardabank München habe 2012 als erste Bank überhaupt eine Gemeinwohlbilanz vorgelegt, ein Jahr später 19.0000 Neukunden gewonnen und sei 2014 zum siebten Mal zu „Deutschlands bestem Arbeitgeber“ unter den Banken gekürt worden. Oder Beispiel Personalarbeit: Das Augsburger Bekleidungsunternehmen Manomama stelle Frauen über 50, Alleinerziehende und andere Hartz-IV-Empfänger ein, Gründerin Trinkwalder sei auch ohne Bankkredite oder politische Unterstützung erfolgreich geworden. Schließlich bietet das Buch nützliche Alternativen zu den Quasi-Monopolisten des Internets: Statt doodle, das Adressbücher ausspioniert, https://dudle.inf.tu-dresden.de; statt dropox http://owncloud.org/, weil hier die Nutzer selbst den Server kontrollieren; statt Amazon und Ebay www.fairmondo.de; statt I-Phone www.fairphone.com und https://eustore.ifixit.com; statt Facebook www.friendica.com[3]. Breiten Raum nehmen daneben Tausch- und Teilbörsen aller Art ein, z.B. die Ouishare-Bewegung oder ResearchGate für Wissenschaftler[4].

…aber auch Altbekanntes

Leider enthält die Sammlung vor allem in den vorderen Kapiteln viele ältere und weniger inspirierende Initiativen wie z.B. Bhutans „Bruttosozialglück“ oder ein lateinamerikanisches Konzept guten Lebens („buen vivir“)[5]. Annette Jensen greift offenbar auch auf ihr eigenes Buch von 2011 zurück[6]. Schließlich nützen grundsätzliche Ausführungen, etwa zur internationalen Glücksforschung, nur reinen Einsteigern in das Thema.

Fazit: Hinweise recherchieren!

Im Gegensatz zu vielen journalistischen „tours d’horizons“ schreiben Jensen und Scheub nicht nur verständlich, sondern dokumentieren auch umfassend ihre Quellen. Damit erleichtern sie die weitere Recherche ungemein. Wer sich auf die Internet- und Literaturhinweise konzentriert, kann daher in diesem Buch viel Neues entdecken.


Quellen:

[1] Annette Jensen und Ute Scheub, „Glücksökonomie. Wer teilt, hat mehr vom Leben“, München 2014.

[2] Annette Jensen und Ute Scheub, a.a.O., S. 301.

[3] Annette Jensen und Ute Scheub, a.a.O., S. 130 f. (Spardabank), S. 137 ff. (Manomama) und S. 177 ff. (Internet-Alternativen).

[4] Annette Jensen und Ute Scheub, a.a.O., S. 213 ff. (Ouishare) bzw. 237 ff. (ResearchGate).

[5] Annette Jensen und Ute Scheub, a.a.O., S. 85 f. (Bhutan) und S. 78 ff. (Buen Vivir).

[6] Annette Jensen „Wir steigern das Bruttosozialglück“, Freiburg 2011. Besprechung auf diesem Blog unter https://besser-wachsen.com/2013/02/15/wachstumskritik-teil-ii-die-literatur-1/.

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