PAKETE INS BÜRO LIEFERN!

Britta Kuhn

Zoya Shamaevas Bachelor Thesis diskutiert vier neue B2C-Liefermodelle[1]

Was macht Paketlieferungen im B2C-Geschäft gesamtwirtschaftlich akzeptabler? Roboter, Drohnen, und Lastenfahrräder? Oder gebündelte Bürolieferungen à la B2B?

Roboter und Drohnen[2]

Im Januar 2016 diskutierte ich auf diesem Blog Alternativen zur klassischen Paketlieferung an die Heimatadresse[3]. Seither hat sich viel getan, denn die sogenannte „letzte Meile“ zum Kunden produziert hohe Kosten für die Lieferdienste, die kommunalen Verkehrs- und Umweltbedingungen, abwesende Kunden und ihre (unfreiwilligen) Helfer[4]. Die Thesis analysiert daher zunächst, was genau Lieferroboter und -drohnen vermögen. Meine Abbildung 1 fasst die besprochenen Vor- und Nachteile zusammen. Im Ergebnis dürften Roboter die klassische Paketzustellung bestenfalls in mittelgroßen Städten und Wohngebieten ergänzen. Für Großstädte mit überfüllten Bürgersteigen oder für unebene ländliche Gehwege dürften sie dauerhaft ungeeignet bleiben. Drohnen ergänzen die konventionelle Lieferung v.a. in Notfällen und dünn besiedelten bzw. schwer zugänglichen Gebieten.

Abbildung 1:

Vorteile Nachteile
Roboter
  • Innenstadt-Verkehr entlastet (Straßen, Parkplätze)
  • Umwelt entlastet (Verkehr, Lärm)
  • anwesender Empfänger durch terminierte Lieferung
  • Weniger Lohnkosten
  • fehlender bundesweiter Rechtsrahmen (z.B. Einsatz? Datenschutz? Unfälle?)
  • Gefahr von Diebstahl und Vandalismus
  • technische Probleme (z.B. Treppen, unerfahrene Kunden)
  • geringe Transportkapazität
  • neue dezentrale Lagerkosten
  • Zusatzkosten, soweit nur Zusatzservice
  • fehlende gesellschaftliche Akzeptanz
Drohne
  • keine zusätzliche Infrastruktur nötig
  • Straßenverkehr entlastet
  • erschließt neue Gegenden (z.B. Inseln, Berge)
  • in Notfällen sehr schnell (z.B. Medikamente)
  • weniger Lohnkosten
  • Rechtsrahmen müsste (weiter) liberalisiert werden
  • geringe Transportkapazität
  • hohe Stückkosten je Sendung
  • Sicherheitsprobleme bzgl. Ladung (z.B. Verlust, Beschädigung, Manipulation)
  • Sicherheitsprobleme bzgl. Drohne (z.B. Zerstörung, Verirren, Einsatz als Waffe)

Lastenfahrräder und Bürolieferung[5]

Für den Massenmarkt eignen sich wohl eher elektrische Lastenfahrräder (ähnlich Pizzalieferanten) und Bürozustellungen. Bei der Bürolösung finanzieren Amazon, DHL, UPS usw. einen Paketempfang in größeren Unternehmen. Meine Abbildung 2 fasst ihre Vor- und Nachteile gemäß Abschlussarbeit zusammen und ergänzt kursiv eigenen Eindrücke.

Abbildung 2:

Vorteile Nachteile
Fahrrad
  • bei innerstädtischer und Express-Lieferung geeignet (keine Park- und Stauprobleme)
  • Umwelt entlastet
  • niedrige Betriebskosten
  • dezentrale, mobile Paketdepots im Stadtgebiet nötig => Kommunen müssen kooperieren
  • Vandalismus- und Wetterprobleme
  • Aufladestationen für E-Räder nötig
  • Problem „abwesender Empfänger“ ungelöst
  • hohe Lohnkosten wegen geringer Lieferkapazitäten?
Büro
  • Synergieeffekte => Kostensenkung für Paketdienste, Verkehr und Umwelt
  • hohe Akzeptanz bei Berufstätigen
  • zufriedenere Mitarbeiter in teilnehmenden Unternehmen
  • betreiberunabhängiger Paketempfang
  • Entlastung heimischer Nachbarn durch professionellen Paketempfang (potenziell) rund um die Uhr
  • Unternehmen braucht Lagerplatz
  • bisher erst ab 200 Mitarbeitern möglich
  • bisher nur Pakete in Standardgröße
  • bisher kaum genutzt (nur 3% der Pakete)
  • Mitarbeiter müssen per Auto zur Arbeit

Fazit

Zoya Shamaeva hält Lieferroboter mangels gesellschaftlicher Akzeptanz für die unwahrscheinlichste Lösung. Lieferdrohnen sieht sie im Nischenmarkt. Lastenrädern und Unternehmenspaketen traut sie eine massentaugliche Entwicklung in Verbindung mit klassischen Lieferungen zu[6]. Auch ich glaube, dass angesichts wachsender Liefervolumina immer mehr Lösungen kombiniert werden dürften. Allerdings erscheint mir die Bürolieferung phantastisch einfach und daher mit Abstand am zukunftsfähigsten.

Quellen:

[1] Zoya Shamaeva, „Die Paketlieferung der Zukunft“, Bachelor Thesis, Wiesbaden Business School der Hochschule RheinMain, 9.3.2017.

[2] Soweit nicht anders angegeben: Zoya Shamaeva, a.a.O., Kap. 2.

[3] https://besser-wachsen.com/2016/01/22/besser-liefern/

[4] Zoya Shamaeva, a.a.O., Abschnitt 1.1.

[5] Soweit nicht anders angegeben: Zoya Shamaeva, a.a.O., Kap. 4 (Lastenfahrräder) bzw. Kap. 3 (Bürozustellung).

[6] Zoya Shamaeva, a.a.O., Kap. 5.

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