GRÜNE ANLEIHEN MIT DER LUPE BETRACHTET

Britta Kuhn

Clemens Stuckes Bachelor Thesis analysiert, was Green Bonds wirklich bringen[1]

Grüne Anleihen wachsen rasant, sind aber immer noch ein Nischenmarkt. Warum eigentlich?

Marktentwicklung bei Green Bonds[2]

Schon 2013 und 2016 thematisierte dieser Blog die nachhaltige Geldanlage.[3] Grüne Anleihen sind eine Unterart dieser Investments, die neben Rendite, Sicherheit und Liquidität auch eine ökologische, ethische bzw. soziale Mittelverwendung anstreben. Der erste Green Bond wurde im Jahr 2007 ausgegeben. Zwischen 2013 und 2017 wuchsen die weltweiten Neuemissionen von 11 auf 155,5 Mrd. USD. Der Markt für explizit grüne Anleihen (die labelled Green Bonds) erreichte allerdings mit 221 Mrd. USD nur einen Bruchteil des gesamten Anleihemarkts, der 106 Bio. USD umfasste. Die Emissionserlöse fließen vor allem in Deutschland in erneuerbare Energien. Weltweit spielen daneben energieeffiziente und kohlenstoffarme Gebäude, sauberer Transport und die Wasserwirtschaft eine große Rolle. Bis Ende 2020 könnten ausstehende Green Bonds die Marke von 1 Bio. USD knacken. Allerdings stammt diese Schätzung von der Climate Bonds Initiative. Diese umweltfreundliche Non-Profit Organisation hat Bewertungs- und Transparenzstandards (die Climate Bonds Standards) entwickelt, die auf vier Kernprinzipien (den Green Bond Principles) aufbauen, aber letztlich unverbindlich sind. Andere Institutionen wie das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik sehen das Marktpotenzial skeptischer, z.B. mangels qualifizierter Projekte und unterentwickelter Kapitalmärkte vieler Länder.

Der Teufel liegt im Detail[4]

Die Thesis verdeutlicht im Einzelnen, warum potenzielle Investoren grüne Anleihen gründlich analysieren sollten. Neben nachweislichem Etikettenschwindel (dem Greenwashing) beruhen z.B. die Green Bond Principles auf Freiwilligkeit und wurden in der Vergangenheit auch unterlaufen. Mangels Detaillierung kann es daneben z.B. passieren, dass Geld in eine ökologische Waldwirtschaft fließt, worunter dann Investitionen in extrem wasserverbrauchende Eukalyptusplantagen fallen. Letztlich fehlen nämlich wirklich unabhängige externe Reviews (die Second Party Opinions).

Die Emittenten grüner Anleihen erhöhen bestenfalls ihre Reputation – denn der Primärmarkt bietet keinen Zinsvorteil. Zwar tummeln sich staatliche Förderbanken wie die Kreditanstalt für Wiederaufbau in diesem Markt. Aber selbst die KfW begab im Jahr 2016 nur 9,2 Mrd. € grüne Anleihen im Vergleich zu einem gesamten Emissionsvolumen von 422 Mrd. €. Auch Investoren verdienen unter sonst gleichen Umständen nicht mehr als mit herkömmlichen Anleihen. Allerdings profitieren sie von relativ mehr Information und einem guten Gewissen.

Verbesserungsvorschläge und Fazit

Die Thesis empfiehlt eine eindeutige und weltweit gültige Definition grüner Anleihen. Deren Umsetzung und ein nachvollziehbarer, auf Bewertungskriterien gestützter externer Prüfprozess sollten Pflicht werden. Auch durch ein Markenzeichen und standardisierte Produkte würde der Markt transparenter. Entwicklungsbanken könnten Investoren bei der Auswahl nachhaltiger Projekte helfen.[5] Vorerst aber schlussfolgert der Autor: „…ob die Emission grüner Anleihen die Finanzierung grüner Projekte vereinfacht, ist bislang nicht wissenschaftlich bewiesen.“[6]

Quellen:

[1] Clemens Stucke, „Green Bonds: Eine kritische Analyse“, Bachelor Thesis, Wiesbaden Business School der Hochschule RheinMain, 1.3.2018.

[2] Soweit nicht anders angegeben: Vgl. detailliert Clemens Stucke, a.a.O., Kap. 2, 3 und 6 i.V.m. den Abbildungen im Anhang.

[3] https://besser-wachsen.com/2016/02/19/wie-geht-gewissenhafte-geldanlage/ und https://besser-wachsen.com/2013/09/06/nachhaltige-geldanlage-nur-was-fur-okos-oder-lukrativer-zukunftsmarkt/

[4] Vgl. detailliert: Clemens Stucke, a.a.O., Kap. 4-5.

[5] Vgl. detailliert: Clemens Stucke, a.a.O., S. 19.

[6] Vgl. Clemens Stucke, a.a.O., S. 20.

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